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30.000 Menschen in der Region in Kurzarbeit


In den Großbetrieben der Stadt Schweinfurt arbeiten rund 20.000 Menschen. Seit gut einem Jahr ist bei SKF, ZF-Sachs, Bosch-Rexroth und Schaeffler, Kurzarbeit angesagt. 400 Betriebe in der Region Main-Rhön sind es, in denen nur stellenweise gearbeitet wird. 30.000 Menschen sind betroffen. Anders ausgedrückt: Jeder Fünfte arbeitet kurz. Unterfranken ist eine der Regionen in Deutschland, die eine Spitzenposition in Sachen Kurzarbeit einnimmt. Nur Villingen-Schwenningen, gefolgt von Oberfranken und dem Sauerland sind noch schlechter dran. Fast dreißig Prozent der Arbeitszeit fallen hier im Durchschnitt aus. Die Statistiker der Schweinfurter Arbeitsagentur verbreiten eine Arbeitslosenquote von fünf Prozent. In kaum einem Jahr könnte sich das gewaltig ändern. Dann laufen die aktuellen Vereinbarungen zur Kurzarbeit in den Großbetrieben aus.

Bei ZF-Sachs, dem größten Schweinfurter Betrieb, sind zeitweilig bis zu 5.000 Arbeiterinnen und Arbeiter an mehreren Tagen im Monat Daheim geblieben. Ein Großteil ihrer Einkommensverluste wird durch die Auflage eines so genannten Solidaritätsfonds ausgeglichen. Die Kassen für diesen Topf wurden durch Abgaben der Beschäftigten gefüllt: 3,5 Millionen Euro waren es, die aus ERA-Rücklagen eingebracht wurden, weitere 4 Millionen Euro kamen zustande, weil Prämienzahlungen reduziert wurden. Medienwirksam beteiligte sich das Management mit einem Millionenbetrag an dem Fond. Ohne Frage sind es erbrachte Vorleistungen der Beschäftigten, die zur Finanzierung eines Aufschlages auf das Kurzarbeitergeld verwendet werden. Geld, welches den Arbeitern eigentlich zusätzlich gehört.

Je länger die Situation andauert, desto größer wird die Unruhe an den Arbeitsplätzen. Entlassungen sind das Dauerthema. Im ZF Konzern kursieren Zahlen, wonach 3.000 bis 5.000 Beschäftigte an den deutschen Standorten ihren Job verlieren könnten. Hans-Georg Härter, Chef im Unternehmen, beeilt sich freilich, die Entlassungsgerüchte als derzeit aus der Luft gegriffen herunterzuspielen. Dagegen ist aus Betriebsratskreisen zu erfahren, dass ZF am Standort Schweinfurt rund 50 Millionen Euro beim Personal einsparen will.

Beim Nachbarn SKF arbeitet ein großer Teil der Kolleginnen und Kollegen ebenfalls kurz. Die Lage ist ähnlich wie bei ZF-Sachs. Auch bei SKF wurden Zeitkonten zurückgefahren, dann waren es die Leiharbeiter die vor das Werkstor gesetzt wurden. Ihnen folgten die Beschäftigten mit Zeitverträgen. Interessant ist, dass bereits zu Jahresbeginn 2009 SKF Chef Tom Johnstone kundgab, dass er Staatshilfen für den Konkurrenten Schaeffler ablehnt. Diese Position teilt er mit Hans-Georg Härter. Ohne Märchen zu verbreiten kann man behaupten, dass sich Johnstone und Härter einen Teil vom Kuchen im Wälzlagersegment erhoffen, wenn Schaeffler die Luft ausgeht.

Die Diskussionen um Staatshilfen für Schaeffler waren wenig angenehm. Betriebsrat und IG-Metall gaben freundlich beschrieben nicht die beste Figur ab. Besonders die Nibelungentreue der Herzogenauracher Betriebsräte zur Kapitalistin Maria Elisabeth Schaeffler war unerträglich. Frank Firsching der Schweinfurter DGB Chef und Klaus Ernst ergriffen in der Folge dieser Umstände das Wort. Sie schlugen ein Stiftungsmodell vor. Das Familienunternehmen sollte Kapitalgesellschaft werden, die Banken zu 50 Prozent beteiligt sein. 25,1 Prozent wäre an Bund und Länder, der Rest an die Familie Schaeffler gegangen. Die Mehrheit im Aufsichtsrat war nach ihren Vorschlägen für die Beschäftigten vorgesehen. Der Aufsichtsrat hätte sich aus 10 Arbeitnehmer- und 10 Arbeitgebervertretern zusammengesetzt. Von den 10 Arbeitgebervertretern wären drei über die Stiftung zu besetzen gewesen. Über die Stiftung sollten die Beschäftigten weitere zwei Sitze bekommen. Die Vorschläge von Ernst und Firsching fanden in der IG-Metall keine Mehrheit.

Heute gilt ein Abkommen, wonach Schaeffler bis zum 30. Juni 2010 keine Leute entlassen darf. Dies wurde auch mit Lohnverzicht erkauft. Allein in Schweinfurt plant man, die Kosten im Zeitraum bis Juni 2010 um 50 Millionen Euro zu senken. Wie schnell es gehen kann, dass solche Vereinbarungen das Papier nicht wert sind auf welches sie geschrieben wurden, zeigt ein Beispiel aus der Schaeffler Zentrale in Herzogenaurach: Dort werden den Kolleginnen und Kollegen im Sondermaschinenbau Aufhebungsverträge abgenötigt, Arbeiter werden in den Vorruhestand geschickt, oder Vorgesetzte ordnen Versetzungen an.

Und: Die Kurzarbeit geht auf hohem Niveau weiter. Die Automotivesparte mit Radlagern und Speziallagern verzeichnet zwar aktuell einen leichten Auftragszuwachs. Für den Beginn des Jahres 2010 rechnet man allerdings mit einem herben Einbruch. Bei Kugel- und Pendellagern wird mit 35 Prozent der Maximalleistung produziert. Bei den Spindellagern ist die Nachfrage sehr niedrig. Bei den Fluglagern wird in den nächsten Monaten das geplante Auftragsvolumen ebenfalls unterschritten. Bei rund 30 bis 40 Prozent der Beschäftigten wird die Kurzarbeit deshalb weitergeführt. Für 2010 hört man von Betriebsräten hinter vorgehaltener Hand, dass keine wesentlich bessere Lage zu erwarten ist. Man sagen, dass die Kolleginnen und Kollegen unter gewaltigem Druck stehen. Sie fürchten sich davor, bald arbeitslos auf der Straße zu stehen.