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Wunsiedel
macht wieder Schlagzeilen
Wunsiedel:
Das beschauliche kleine Örtchen in Oberfranken macht
wieder einmal Schlagzeilen. Nicht das es schon genug wäre,
dass seit August 2001 erneut der sogenannte "Rudolf-Heß-Gedenkmarsch"
in der Festspielstadt Wunsiedel stattfindet, sieht sich
inzwischen die gesamte Region einer gut organisierten
und vernetzten Naziszene ausgesetzt. Im
August 2001 fand nach fast 10 Jahren die europäische
Naziszene erneut den Weg nach Wunsiedel, um ab damals
alljährlich den Hitler-Stellvertreter und verurteilten
Kriegsverbrecher Rudolf Heß zu ehren. In den ersten
Jahren der Aufmärsche sehen sich regionale Antifaschisten
auf sich alleine gestellt, so dass es zu keinem
nennenswerten Protest kommt. Dies wird etwas anders, als
sich 2003 das bundesweite Bündnis
"NS-Verherrlichung stoppen" gründet. 2005
wird die Nazidemo zunächst verboten, um 2006 darüber
zu entscheiden ob die aktuellen Gesetzesverschärfungen
auf Wunsiedel anwendbar sind.
Um
die Festspielstadt Wunsiedel hat sich die Naziszene
organisatorisch weit ausgebaut. Zu nennen wären hierbei
das Dreikönigstreffen des NPD-Landesverbandes Bayern am
06.01.2005 in der Nähe von Wunsiedel mit etwa 80
Teilnehmern, die Gründung des JN-Stützpunktes
Wunsiedel am 21.05.2005 oder diverse Liederabende und
Konzerte in der Gastwirtschaft Lokalbahn. Für den
schicken Nazi von heute darf natürlich ein
Tattoo-Studio im Kaff nebenan nicht fehlen, in diesem
Fall Hated and Proud Tattoos in Thierstein. Außerdem
fand am 04.09.2005 eine Wahlkampfdemonstration der NPD
mit 150 Nazis in Wunsiedel statt, die als
„Ersatzgedenkmarsch“ zu werten ist. Im Verlauf
dieser Demonstration war zum ersten mal ein Transparent
mit der Aufschrift „Freie Kameradschaft Wunsiedel“
zu sehen.
Der
neu gegründete Kameradschaftsbund Hochfranken umfasst
zwar nur die Kameradschaft Hof um deren Master Tony
Gentsch aus Töpen und die Freie Kameradschaft
Wunsiedel, jedoch ist auch er ein Zeichen für einen
neuen Organisierungsgrad in dieser Region. So wurde über
diesen ein Bus zur Nazidemo nach Dresden am 14.02.1006
arrangiert. Beide oben genannten Kameradschaften waren
2005 bundesweit an Nazidemos beteiligt wie am 05.03.2005
in Greiz oder am 08.05.2005 in Berlin. Die Gaststätte
Lokalbahn hat sich innerhalb der letzen Jahre zu einem
Anlaufpunkt für Wunsiedler Nazis entwickelt und wird
nun unter dem Slogan „Der neue nationale Szenetreff in
Wunsiedel“ beworben. In der Lokalbahn finden neben
Konzerten auch politische Veranstaltungen statt, wie
zuletzt am 10.02.2006 mit Thomas Wulf. Sie befindet sich
direkt am Wunsiedler Busbahnhof und ist als überregionaler
Treffpunkt von Nazis aus Bayern, Thüringen und Sachsen
anzusehen. Konzerte wie am 04.03.2006 mit eindeutig
faschistischen Bands wie DNA aus Gera laufen unter dem
liebevollem Label „Hate Train Rolling“.
Der
Laden mit den „anderen“ Tattoos ist in Thierstein
nahe Wunsiedel, geführt von Manuel Kunzmann. Ein Blick
auf die Galerie der Homepage genügt um zu sehen dass
hier „mehr Service“ für den nationalen Deutschen
geboten wird. Aber hier gibt’s nicht nur Nazitätowierungen
sondern auch noch gleich ein passendes Outfit plus
Musik. Ein richtiger Versandhandel eben.
Spätestens
seit dem Wiederaufleben der Gedenkmärsche in der
Festspielstadt Wunsiedel ist die Stadtverwaltung äußerst
bemüht ihre Bürger zu Engagement gegen Extremismus zu
bewegen, sowie sich ein „Gegen-Nazis-Image“
zuzulegen. Dies gipfelte in einer Meile der Demokratie
am Tag des Naziaufmarsches als auch in der Gründung
einer Bürger- und einer Jugendinitiative. Auch dass der
Wunsiedler CSU-Bürgermeister Karl Willi Beck 2004
medienträchtig an einer Sitzblockade gegen den
Hessmarsch teilnahm, wird diesem Umstand zu schulden
sein. Die Ohnmacht der Initiativen zeigt sich deutlich
auf deren Veranstaltungen. Nazis sind regelmäßige Gäste,
ab und zu laden sie sich auch mal Prominenz ein. So
geschehen am 27.07.2005 als Sascha Rossmüller,
Mitarbeiter der NPD-Fraktion im sächsischem Landtag und
der bayerische Landesgeschäftsführer Axel Michaelis
eine Veranstaltung der Bürgerinitiative in der
Wunsiedler Fichtelgebirgshalle zusammen mit regionalen
Nazis besuchten.
Quelle:
antifa rechercheteam nordbayern, nah
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