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Nazi
Treff Wunsiedel mit dem Segen der Stadt?
Zu
einem für Wunsiedels Bürgermeister Kurt Beck ziemlich
peinlichen Moment ist es bei einer Veranstaltung
des „antifaschistischen rechercheteams nordbayern“
(art–nb) am vergangenen Ostersamstag im Wunsiedeler
Jugendzentrum gekommen. Beck war in Begleitung seines
Stellvertreters und Sprechers der Bürgerinitiative
„Wunsiedel ist bunt“, Matthias Popp, sowie einem
Mitarbeiter des lokalen Ordnungsamtes zu der im Vorfeld
öffentlich stark beargwöhnten Veranstaltung des
„art–nb“ gekommen und hatte sich in überaus
positiver Weise einer zum Teil sehr kontroversen
Diskussion gestellt. Nicht
erwartet hatte er jedoch, dass ein Antifaschist ihn mit
einer höchst unangenehmen Neuigkeit konfrontierte,
welche offenbar im Wunsiedeler Stadtrat derzeit hinter
verschlossenen Türen diskutiert wird.
Demnach
will die Stadt den überregional bekannten
rechtsextremen Szenetreff „Lokalbahn“ aufkaufen.
Nach Angaben des jungen Antifaschisten sei als
Tauschobjekt für die alte Bahnhofsgaststätte ein leer
stehendes einstiges Möbelhaus im Gespräch. Ein solcher
deutlich größerer Veranstaltungsraum würde es den
Betreibern aus der rechten Szene erlauben, künftig noch
größere Konzerte mit Nazi-Bands und überregionalem
Einzugsgebiet zu organisieren. Sei der fragliche
Szenetreff „Lokalbahn“ schon jetzt Anlaufpunkt
rechtsextremer Klientel aus der der ganzen Region, würde
ein großer „brauner“ Konzertsaal Wunsiedel vollends
zum rechtsextremen Zentrum in Franken machen,
kritisierten Antifa-Vertreter. Etwas
hilflos zog sich Beck auf die Bemerkung zurück, es
handele sich dabei um ein schwebendes Verfahren und er
werde dazu nicht Stellung nehmen, gab aber indirekt zu,
das an der Geschichte etwas dran ist. Die rund 50
Besucher der Veranstaltung zeigten sich über diese
Haltung der Stadt erstaunt. Zum einen strich Matthias
Popp heraus, wie stark sich Stadt und Bürgerschaft
gegen Nazis zu engagieren bemühten, andererseits laufen
offenbar höchst bedenkliche Geheimverhandlungen des
Stadtrats mit dem Wirt der „Lokalbahn“.
Jugendliche
aus Wunsiedel berichteten über zahlreiche zum Teil
schwere rechtsextreme Angriffe und die unter jungen
Wunsiedeler grassierende Angst vor den sich in der Stadt
an mindestens zwei identifizierten Nazi-Treffs
tummelnden Gruppen gewaltbereiter rechtsextremer Pöbler
und Schläger. Die Polizei halte die berichteten Vorfälle
meist nicht für einer Meldung wert, die Lokalpresse
reagiere überhaupt nicht und selbst vor Gericht würden
überführte Täter mit Samthandschuhen angefasst,
klagte eine betroffene Jugendliche. „Der Tag ist nicht
weit, dass ich mich nachts nicht mehr durch Wunsiedel zu
gehen traue“, meinte ein junger Mann. Bürgermeister
Beck merkte jedoch wenig sensibel an, er habe keine
Angst des Nachts durch Wunsiedel zu gehen.
Das
„art–nb“ zeigte sich zufrieden mit dem Abend im örtlichen
Juz und freute sich, mit der zuständigen Stadtspitze
und Vertretern der Bürgerinitiative ins Gespräch
gekommen zu sein. Denn
bei allen Meinungsverschiedenheiten, was den Umgang mit
der dramatisch wachsenden Nazi-Szene in und um Wunsiedel
angehe, sei doch klar geworden, dass das Problem als
solches von allen erkannt werde und man langfristig
nicht aneinander vorbei komme, fasste ein Sprecher von
„art–nb“ zusammen.
Quelle:
art-nb, nah
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