|
Zu
Gast im Stadion eines Nazis
Am
23. Juli 2006 feiert die Stadt Schweinfurt den 70.
Jahrestag der Eröffnung des „Willy-Sachs-Stadions“.
Das Stadion in der unterfränkischen Stadt trägt den
Namen des Schweinfurter Fabrikanten Willy Sachs. Sachs
ist Ehrenbürger der Stadt, war SS-Mann und Sturmbannführer.
Der ehemalige Firmeninhaber der heutigen "ZF-Sachs
AG" war Freund von Nazi-Größen wie Heinrich
Himmler und Hermann Göring. Jahrzehntelang wurde die
Rolle von Willy Sachs im Nationalsozialismus verharmlost
oder ganz ausgeblendet. Sie besteht in seiner frühen
Mitgliedschaft in der Nazipartei, seinen sehr guten
Beziehungen zu den Parteigrößen bis hin zu Adolf
Hitler, dem enormen geschäftlichen und finanziellen
Nutzen aus diesen Verbindungen, seinem aktiven Einsatz für
die Nazis, die öffentliche und finanzielle Unterstützung
der Nazipartei sowie die Ausbeutung von Zwangsarbeitern.
Während der Fußball Weltmeisterschaft beherbergt die
Stadt Schweinfurt die Nationalmannschaft aus Tunesien,
die sich derzeit im "Willy-Sachs-Stadion" auf die WM
vorbereitet.
Nach
einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung am 1. Juni
2006 zum Thema schlagen die Wellen in Schweinfurt hoch.
Besonders der Schweinfurter CSU Sprecher German Cramer
tut sich in den Medien hervor, er wird dabei mit den
Worten zitiert, dass der SZ-Beitrag eine ausgesprochene
Sauerei sei, und dies auch noch eine Woche vor der Fußball-Weltmeisterschaft.
Der Bericht sei absolut ungerechtfertigt, blanker
Populismus und schade dem Ansehen der Stadt.
Die
Schweinfurter „Initiative gegen das Vergessen“, die
bereits seit Jahren eine offene Debatte um die
Rolle von Willy Sachs und eine mögliche Umbenennung
des Stadions fordert, gerät dabei gewissermaßen als
Nestbeschmutzer in die Schusslinie. Die Initiative ist
der Meinung, dass eine demokratische und offene
Gesellschaft solche Auseinandersetzungen zulassen und fördern
muss. Mit dem Totschweigen wird verhindert, dass aus der
Geschichte gelernt wird und es wird so nicht gelingen,
Neofaschisten in die Schranken zu weisen, so die
Initiative.
Nach
Meinung der „Initiative gegen das Vergessen“ sind in
erster Linie die Verantwortlichen der Stadt gefragt um
Stellung zu beziehen. Damit stellt sich für die Stadt
und den Stadtrat auch die Frage, ob Willy Sachs weiter
Ehrenbürger der Stadt Schweinfurt bleiben soll - was er
auch 1936 ist. Unterdessen wiegelt Schweinfurts CSU
Oberbürgermeisterin ab. Der SZ Beitrag sei ein Griff
aus der Mottenkiste, die Stadt werde keine Debatte um
Willy Sachs führen.
Quelle:
indymedia
zurück
|