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Peter Gingold lebt nicht
mehr
Peter Gingold ist am 28.
Oktober in Frankfurt gestorben. Gingold wuchs in einem
jüdischen Elternhaus in Aschaffenburg und Frankfurt am
Main (ab 1922) auf. Sein Vater war Konfektionsschneider.
In Frankfurt besuchte er die Jüdische Volksschule,
begann 1930 eine kaufmännische Lehre in einer
Musikgroßhandlung und trat in die Gewerkschaftsjugend
des Zentralverbandes Deutscher Angestellter (ZDA) ein.
1931 trat er in den Kommunistischen Jugendverband
Deutschlands (KJVD) ein. 1933 wurde er im illegalen
Widerstand tätig - im Mai emigrierten die Eltern und
Geschwister von Peter nach Frankreich. Gingold wurde im
Juni bei einer Razzia der SA verhaftet und bekam nach
mehreren Monaten Gefängnis die Anordnung, Deutschland zu
verlassen. Er emigrierte im Herbst nach Frankreich,
arbeitete bei der deutschsprachigen antifaschistischen
Tageszeitung "Pariser Tageblatt" und war in einer
kleinen Gruppe des KJVD in Paris politisch tätig. 1936
gründete er im Juni in Paris mit anderen jungen
deutschen Antifaschisten die "Freie Deutsche Jugend"
(FDJ) und lernte dort Ettie Stein-Haller, seine spätere
Frau, kennen.
1937 trat er in die
Kommunistische Partei Deutschlands ein. Im Januar 1940
heiratet er Ettie und wurde im Mai als "deutschstämmiger
Staatenloser" von den Franzosen interniert. Im Juni
wurde ihre Tochter Alice geboren. Er kehrte im Oktober
nach Paris zurück und war im deutschen
antifaschistischen Widerstand aktiv. Im Frühjahr 1941
gab er die Tätigkeit auf, da die Gestapo nach ihm
fahndete. Er ging im April nach Dijon und wurde in der
Travail Allemand (TA), einer Gruppe in der Résistance,
tätig, die antifaschistische Flugblätter unter den
deutschen Soldaten verbreitete. Seine Aufgabe war unter
anderem, den Kontakt zu den Soldaten der deutschen
Wehrmacht herzustellen, um Hitler-Gegner herauszufinden
und für die Zusammenarbeit in der Résistance zu
gewinnen. Im Juli 1942 wurden zwei Geschwister von Peter
in Paris verhaftet und in das KZ Auschwitz deportiert.
Im Februar 1943 wurde er in Dijon von der Gestapo
verhaftet und mehrere Wochen lang verhört und gefoltert.
Er wurde nach Paris überführt, dort gelang ihm im April
die Flucht und nach ein paar Wochen war er wieder in der
Résistance tätig. Im August 1944 beteiligte er sich am
Aufstand zur Befreiung von Paris und ging als
Frontbeauftragter des Komitees Freies Deutschland mit
dem 1. Pariser Regiment nach Lothringen. Aus seinen
späteren autobiographischen Aufzeichnungen geht hervor,
dass es ihm in dieser Zeit gelang, allein acht
Wehrmachtssoldaten mittels eines Sprengsatzes zu töten
und vier weitere zu erschießen, als diese auf dem
Rückzug in einen Hinterhalt gerieten. 1945 wurde er von
der US-Armee inhaftiert und kam wegen falschen Verdachts
für kurze Zeit in ein französisches
Kriegsgefangenenlager. Ende April war er als
Frontbeauftragter bei den Partisanen in Norditalien und
erlebte dort die Befreiung vom Faschismus.
Er kehrte im August 1945
nach Frankfurt am Main zurück und wurde wieder zusammen
mit seiner Frau Ettie in der KPD aktiv. Er wurde
Mitglied des Sekretariats der hessischen KPD und
Schulungsleiter dort; für den Grenzapparat von Richard
Stahlmann bei der SED-Führung in Berlin arbeitete er als
Kurier. Seit der Gründung der DKP 1968 war er dort
Mitglied. Er lebte bis zu seinem Tod in Frankfurt am
Main und war unter anderem politisch aktiv in der
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der
Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA), im
Verband Deutscher in der Résistance (DRAFD) und im
Auschwitzkomitee. Er war als Zeitzeuge bei den
verschiedensten Gelegenheiten und Veranstaltungen in der
gesamten BRD aktiv. Am 12. Dezember 2004 wurde ihm in
Berlin gemeinsam mit Esther Bejarano, Percy McLean und
Martin Löwenberg von der Internationalen Liga für
Menschenrechte die Carl-von-Ossietzky-Medaille
verliehen.
Quelle: wikipedia
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