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Stadt
Würzburg erlaubt NPD-Aufmarsch
Der
verantwortliche Würzburger Kommunalreferent hat der NPD gestattet, in Würzburg
zu demonstrieren. Am 19. März werden folglich alte und neue Nazis die
Erinnerung an die Bombardierung der Stadt vor 60 Jahren nutzen, um Naziparolen
behördlich ermöglicht kund zu tun. Die in Würzburg erscheinende Mainpost
zitiert den leitenden Mitarbeiter der Stadt, Wolfgang Kleiner, mit den Worten:
“Die NPD hat in kooperativen Gesprächen die Auflagen der Stadt akzeptiert,
wir haben Vertraulichkeit vereinbart.“ Offizielle Politik der unterfränkischen
Universitätsstadt heißt, die Demonstrationsroute der Neonazis nicht zu veröffentlichen,
auch über die Auflagen für die Neonaziveranstaltung werden keine Aussagen
gemacht. Anscheinend haben sich die Verantwortlichen der Stadt nicht zuverlässig
über das Pack informiert, mit dem sie so vertrauensvoll zusammenwirken: Bei der
Veranstaltung sollen Uwe Meenen und Thomas „Steiner“ Wulff als Redner
auftreten.
Thomas Wulff (1) hat sich seinen Spitznamen nach dem SS-Obergruppenführer und
General der Waffen-SS Felix Steiner gegeben, dem Chef der SS-Division Wiking.
Wulff war Chef der verbotenen neonazistischen Organisation Nationale Liste und
ein enger Weggefährte von Christian Worch. Wulff gilt vor allem in
Norddeutschland als Führungsfigur der rechtsextremistischen Szene. Er
organisierte zahlreiche Aufmärsche, Kranzniederlegungen, Versammlungen und
Flugblattverteilaktionen. Im April 1993 begleitete Wulff mit anderen Neonazis
den Hamburger Szeneanwalt Jürgen Rieger bei einer Kolonnenfahrt mit mehreren
Wehrmachtsfahrzeugen, die teilweise mit SS-Abzeichen versehen waren. Im Dezember
1995 wurde Wulff wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Verunglimpfung des
Andenkens Verstorbener zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt. Er
hatte in einer Publikation der Nationalen Liste einen Artikel veröffentlich, in
dem der Holocaust bestritten und der Vorsitzende des Zentralrates der Juden,
Ignatz Bubis, verleumdet wurde. Sein juristischer Beistand vor Gericht war Jürgen
Rieger. Nach einer Reihe von Vereinsverboten entwickelte Wulff Mitte 1996 das
Konzept der Freien Nationalisten, mit dem er regionale Kameradschaften zu Bündnissen
zusammenschließen wollte. In einem Interview mit dem Zentralorgan erläuterte
er dieses Konzept: „Es ist eine Bündnisstruktur, die immer dann zum Tragen
kommt, wenn im norddeutschen Raum verschiedenste Aktionsgruppen und Parteien zu
nationalen und sozialen Fragen aktiv werden. Der Name soll vor allem deutlich
machen, dass unter diesem Aktionsnamen alle anderen nationalen Kräfte ein Bündnis
eingehen können, ohne dass sie ihre Selbständigkeit aufgeben müssen.“
Wulff zeichnete presserechtlich für einen Artikel in der Zeitung Index der
Nationalen Liste verantwortlich, in dem behauptet wurde, die Wahrheit über
Auschwitz dürfe aufgrund von Denkverboten nicht gesagt werden. Des weiteren war
in dem Artikel von der angeblichen Massenvernichtung der Juden in Auschwitz die
Rede. Im Januar 2001 wurde gegen Wulff eine Geldstrafe wegen der Beleidigung
eines Polizisten verhängt. Nach den Erkenntnissen der Hamburger
Verfassungsschutzbehörde scharte Thomas Wulff einen Personenkreis von etwa 30
Aktiven um sich. Dabei handelte es sich vorwiegend um ehemalige Mitglieder der
Nationalen Liste, die auch nach dem Verbot zum harten Kern der Hamburger
Neonazi-Szene zählten und die mit ihren Parolen den Nährboden für
rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten bereiteten. Wulff kaufte 2001
zusammen mit Michael Grewe aus Niedersachsen für 300.000 Mark den Gutshof
Amholz bei Boizenburg (Landkreis Ludwigslust, Mecklenburg-Vorpommern), das in
ein "nationales Schulungszentrum" umgewandelt werden sollte. Zum
Zeitpunkt des Kaufes kam es zu vollmundigen Erklärungen, man wolle ein zweites
Hetendorf dort errichten, das Unterstützung durch reichlich Kapital aus der
Neonazi-Szene erfahren würde. Die notwendigen umfassenden Renovierungsarbeiten
in dem kreditfinanzierten Objekt waren jedoch auch im Jahr 2002 noch nicht
abgeschlossen. Die Durchführung von Sonnenwendfeiern konnte von Anwohnern
beobachtet werden, als Schulungszentrum schien das Anwesen dagegen nicht genutzt
zu werden. Bereits im Jahr 2001 übernahmen jüngere Anhänger von Wulff und
Worchert den NPD-Landesverband Schleswig-Holstein; der Bundesvorstand der Partei
leistete nur schwachen Widerstand. Ältere Mitglieder verließen die NPD, die Führung
der Landespartei lag damit in den Händen von Freien Kameradschaften unter Peter
Borchert.
Im September 2004 erklärte Wulff zusammen mit Thorsten Heise und Ralph
Tegethoff kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen seinen Beitritt zur NPD. Damit
wollten die prominenten Neonazis einen Beitrag zur Schaffung einer Volksfront
von Rechts leisten. Der NPD-Parteivorstand begrüßte den Beitritt der Neonazis
mit einer Erklärung Volksfront statt Gruppenegoismus. Wulff und Heise wurden für
die Wahl auf dem NPD-Parteitag Ende Oktober 2004 als Kandidaten für den
Bundesvorstand der Partei nominiert. Im NPD-Vorstand beabsichtigten sie,
"Sprachrohr und Ansprechpartner" aller parteiunabhängigen Neonazis
sein. In Neonazi-Kreisen, die der Annäherung und dem Beitritt in die NPD
skeptisch gegenüberstanden, wurde gemutmaßt, Wulff solle eine Stelle beim
NPD-Verlag "Deutsche Stimme" bekommen.
Uwe Meenen (2) ist Kreisvorsitzender der Nationaldemokratischen Partei
Deutschlands (NPD) in Würzburg. Er war zuvor JN-Funktionär und
Bundesvorsitzender der Jungen Republikaner. Zusammen mit Michael Haller (25) und
Waldemar Hirschfeldt (42) gründete Meenen im Oktober 1989 die Landsmannschaft
Franken. Der Wahlspruch der Gruppe lautete: Für Frankens Rechte. Daraus
entstand im Dezember 1991 der als Partei gegründete sezessionistische Bund
Frankenland (BF), am 29. Januar wurde die Organisation als eingetragener Verein
registriert. Zum Vorstand gehörte zu der Zeit auch der bekannte Rechtsextremist
Jürgen Schwab. Nach Einschätzung des bayerischen Verfassungsschutzes war das
Ziel des BF die Beseitigung des Grundgesetzes, der parlamentarischen Demokratie
und die Schaffung eines Vierten Deutschen Reichs nationalistisch-rassistischer
Prägung. Im Herbst 2000 wurden im Raum Bamberg zwei Flugblätter mit
rechtsextremistischem, vor allem fremdenfeindlichem Inhalt verteilt.
Verantwortlich zeichnete die Ortsgruppe Bamberg, Kameradschaft Heinrich II. Mit
Reinhold Oberlercher und Horst Mahler betreibt er das Deutsche Kolleg, das sich
als intellektuelle Kaderschmiede für Nationalisten versteht. Im Oktober 2000
erschien auf den Webseiten des Kollegs ein antisemitisches Pamphlet mit dem
Titel: Ausrufung des Aufstandes der Anständigen, das von den drei Kolleg-Kadern
unterzeichnet war. Die Autoren forderten darin das Verbot der jüdischen
Gemeinden und der Judaismus wurde als tödliche Gefahr für die Völker
bezeichnet Meenen scheint auch vorrangig für das Organisatorische des Deutschen
Kollegs zuständig zu sein.
Die Ankündigung von Terminen (Vorträge, Schulungen) etwa wird oftmals durch
ihn erledigt. Einem Bericht der Illustrierten "stern" zufolge war Uwe
Meenen als Käufer von Schloss Trebnitz (Landkreis Bernburg in Sachsen-Anhalt)
aufgetreten. Veräußert wurde das weitläufige Anwesen bereits im März 2001
durch den Landkreis Bernburg für einen Kaufpreis von 100.000 Mark. Das Schloss
wollte der wegen zu großer Militanz aus der NPD ausgeschlossene Steffen Hupka
als Schulungszentrum nutzen. Die Informationen wurden von einem Sprecher des
Innenministeriums Sachsen-Anhalt bestätigt.
Am gleichen Tag plant die unterfränkische NPD einen „Kameradschaftsabend“
mit dem Naziliedermacher Michael Müller. Dort soll auch Thomas „Steiner“
Wulff eine Rede halten. Der Ort der Veranstaltung wird bisher verborgen
gehalten. Auf der Internetseite der NPD sind folgende Telefonnummern für
weitere Informationen genannt: 179/6501363 und 0160/97219755.
Die Würzburger antifa hat am gleichen Tag eine Gegendemonstration vorbereitet:
Es soll damit ein entschlossenes Zeichen gegen Faschismus und Krieg und
insbesondere gegen die Kundgebung der neofaschistischen NPD gesetzt werden.
Start mit Auftaktkundgebung ist um 11 Uhr beim Amtsgericht,
Geschwister-Scholl-Platz 1. Die antifaschistische Demonstration soll in etwa dem
Weg folgen, den damals die mainfränkischen Jüdinnen und Juden bei ihrer
Deportation gehen mussten. Endpunkt ist der Barbarossaplatz oder der
Theatervorplatz.
(1) IDGR Lexikon des Rechtsextremismus
(2) IDGR Lexikon des Rechtsectremismus
Quelle:
Biopolitik, indymedia
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