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Nazis
halbherzig in den Weg gestellt
Teils
heftige Kritik aus der Bevölkerung müssen sich das
bayerische Innenministerium und das unterfränkische
Polizeipräsidium gefallen lassen. Der Vorwurf: Seit
mehr als drei Jahren schauen die Behörden tatenlos zu,
wie sich in der unterfränkischen Kleinstadt Lohr am
Main eine gewaltbereite Neonaziszene formiert. Polizei
und Innenministerium weisen alle Anschuldigungen zurück.
Die Szene werde beobachtet, jedoch sei keine Handhabe
gegen die Naziumtriebe vorhanden, vermelden die Behörden.
Die
unterfränkische Kleinstadt Lohr am Main liegt zwischen
Würzburg und Aschaffenburg. Lohr wird von einem
sozialdemokratischen Bürgermeister regiert. Die Stadt zählt
etwa 20.000 Einwohner. Überregional ist der Ort durch
die zentrale Bildungsstätte der IG-Metall bekannt.
Was
Naziaktivitäten im Spessart angeht, spiegelt ein Blick
in die Behördenstatistik die Situation: 69(!)
Strafanzeigen sind allein heuer aufgrund von rechter
Volksverhetzung, Nazipropaganda und der Verwendung
nationalsozialistischer Symbole erstattet worden. 2004
wurden im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken 189
rechte Straftaten begangen, das waren 63 mehr, als ein
Jahr zu vor. 50 von 100 aller unterfränkischen
Nazistraftaten werden in Lohr am Main und im Landkreis
Main-Spessart begangen.
Die
Naziszene trifft sich regelmäßig im Lohrer Schlosscafe´.
Vergangenen Samstag, den 05.03.2005 sind dort wieder
etwa dreißig Nazis versammelt. Die Teilnehmer der
Zusammenkunft kommen vorwiegend aus der Stadt Lohr und
aus dem Landkreis Main-Spessart. Beobachter wissen: Anhänger
der Nazis, die sich im Cafe´ in der Altstadt treffen,
stammen auch aus Berlin, Frankfurt und München. In dem
Ort finden an diesem Abend im Jugendzentrum ein
Punk-Konzert und im Stadtteil Hombach eine Hip-Hop Party
statt. Die Nazis entscheiden, das Konzert im Jugendtreff
anzugreifen. Vermummt und bewaffnet zieht der braune Mob
zum Punkkonzert und prügelt mit Baseballschlägern, Stöcken
und Knüppeln auf die Jugendlichen ein. Die
kahlgeschorenen Nazis verletzen dabei drei junge Frauen
schwer. Anschließend zieht der Mob in die Fußgängerzone.
Dort stellen sich etwa 70 junge Besucherinnen und
Besucher des Punk-Konzerts den Nazis mutig in den Weg.
Der braune Mob zertrümmert Flaschen und randaliert
weiter. Die herbeigerufene Polizei lässt auf sich
warten. Lohrer Bürger werfen der Polizei öffentlich
vor, sich den Nazis wiedereinmal nur halbherzig in den
Weg gestellt zu haben. Die Polizei dagegen berichtet, es
seien drei Nazis im Alter von 17 – 25 Jahren
festgenommen und nach Feststellung der Personalien
wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Party der
Hip-Hoper in Hombach wird nach bekannt werden der Vorfälle
abgesagt, weil befürchtet wird, dass die Nazis auch
dort ungehindert Menschen verletzen.
Am
19.05.2005 wird sich die unterfränkische Naziszene in Würzburg
treffen. Zuerst demonstriert der braune Mob in der
Stadt, nachher treffen sich die Rechten zu einem
„Kameradschaftsabend“, dessen Ort den Antifaschisten
mittlerweile bekannt ist. Die Veranstalter rechnen mit
mehreren hundert Teilnehmern. Auch hier schreiten die
Behörden nicht schon im Vorfeld ein, obwohl die Rechten
bereits in ihrem Aufruf für den 19.03.2005 Straftaten
ankündigen.
Quelle:
Antioxidationsmittel E 224, indymedia
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