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Nazis gehen leer aus
Aus dem großspurig
angekündigten Kauf eines Gasthofs in Wunsiedel durch
Neonazis wird nichts: die oberfränkische Stadt hat das
Gebäude selbst gekauft und damit allen Spekulationen
über ein "Rudolf Hess Gedächtnis- und
Dokumentationszentrum" ein Ende bereitet. Erst vor zwei
Wochen hatten oberfränkische Neonazis "die baldige
Schaffung eines Rudolf Hess Gedächtnis- und
Dokumentationszentrums in Wunsiedel" verkündet; dem
Hamburger Anwalt Jürgen Rieger liege ein konkretes
Kaufangebot vor. Die Stadt Wunsiedel schien nicht
überrascht; derartige "Gerüchte" würden schon seit
einiger Zeit die Runde machen. An die große Glocke
hängen wollten die Kommunalvertreter die Sache jedoch
nicht.
Die Sache werde aber
"professionell" gehandhabt. Offenbar gab es bereits
Verhandlungen der Kommune mit der Gasthof-Eigentümerin.
In der Lokalpresse war bald die Rede von "juristischen
Druckmitteln" in Form von Vorkaufsrechten der Stadt, die
schon lange die Parkplatzsituation bei der nahe
liegenden Freilichtbühne Luisenburg neu regeln wolle.
Auch den Neonazis schien bald zu schwanen, dass eine
Ankündigung von NPD-Vorstandsmitglied Thomas Wulff beim
Kameradschafts-Bier nicht gerade ausreichend für einen
erfolgreichen Immobilienkauf ist. Zwar gingen schon
Wulff und örtliche Neonazis in der "Waldlust" aus und
ein, der Stadtrat hatte sich aber bereits am 8. Januar
zu einer außerordentlichen Sitzung getroffen und die
Marschroute bestimmt, wie die Rechten auf ihrer Webseite
munkelten.
In der vergangenen Woche
wurde der Öffentlichkeit präsentiert, wie eine braune
Übernahme verhindert werden sollte. In der
Stadtratssitzung am Donnerstag sollte für den Bereich um
die "Waldlust" die Einleitung eines Bebauungsplan
Verfahrens beschlossen werden, direkt danach sollte eine
Veränderungssperre für das künftige Sondergebiet
"Fremdenverkehr und Tourismus - Nordöstlich der
Luisenburg" erlassen werden. Mit diesen Beschlüssen
waren in dem Gebiet "Anlagen für Verwaltungen sowie für
kirchliche, kulturelle, soziale, politische,
gesundheitliche und sportliche Zwecke“ ebenso wie
"Vergnügungsstätten" nicht mehr zulässig, wie die
Frankenpost berichtet.
Dieser öffentlichen
Demonstration folgte allerdings noch ein
nicht-öffentlicher Sitzungsteil, bei dem sich der 1.
Bürgermeister Karl-Willi Beck vom Stadtrat die
Genehmigung zum Kauf des Gebäudes holte. Die
Doppelstrategie ging offenbar auf, denn am gestrigen
Dienstag bestätigte Beck der Lokalzeitung Vollzug. Der
Kauf sei bereits juristisch wasserdicht, eine
Auflassungsvormerkung zugunsten der Stadt sei schon im
Grundbuch eingetragen. Einen Kaufpreis nannte Beck
nicht, gab aber an, er sei "noch vertretbar" gewesen.
Bereits früher war deutlich geworden, dass die Stadt
keine "Mondpreise" zahlen wollte, wie sie in einigen
Fällen an anderen Orten aus Angst vor rechtsextremer
Ansiedlung aufgebracht worden waren. Die "Waldlust" soll
nun weiter als Gasthof betrieben werden; die Stadt sucht
einen Pächter.
Quelle:
redok
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