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Friedhofschändung: Neonazis
gefasst
Eine Schneise der Zerstörung
zogen Friedhofsschänder über den alten jüdischen
Friedhof im mittelfränkischen Diespeck (Kreis Neustadt/Aisch-Bad
Windsheim). Mehr als 60 Grabsteine hatten die Täter
umgeworfen, der größte Teil ist völlig zerstört. Am 07.
März 2007
wurden zwei jugendliche Neonazis gefasst; der ältere der
beiden hat die Tat gestanden. Die Schändung des
Friedhofs war am vergangenen Wochenende entdeckt worden.
Der Friedhof wird seit 1937 nicht mehr für Begräbnisse
benutzt, die Zerstörung fiel erst bei einem Kontrollgang
eines ehrenamtlichen Betreuers auf. Daher konnte
zunächst auch kein genauer Tatzeitpunkt genannt werden;
fest stand nur, dass die Tat nach Ende Januar begangen
worden sein musste.
Der Friedhof liegt etwa 1,5 Kilometer außerhalb des
Ortes auf einer kleinen Anhöhe; so konnten die Täter
offenbar unbemerkt über die Umfassungsmauer klettern und
ungestört ihr Vernichtungswerk begehen. Von den
insgesamt etwa 300 Grabsteinen warfen sie 63 um, 40 der
teilweise Jahrhunderte alten Grabsteine sind endgültig
zerstört. Geschändet wurden auch elf Gedenksteine für
Soldaten, die im 1. Weltkrieg gefallen waren; das
Denkmal trägt die Aufschrift: "Die Israelitische
Gemeinde in treuem Gedenken an ihre fürs Vaterland
gefallenen Söhne".
Am 07. März 2007 nahm die Polizei zwei mutmaßliche Täter
in jugendlichem Alter (17 und 18 Jahre) fest. Der Ältere
hat die Tat gestanden. Beide sind seit Jahren befreundet
und gehören der rechten Szene an. Erst vor wenigen
Wochen waren sie bei einer Polizeikontrolle aufgefallen;
bei näheren Überprüfungen ergab sich nun ein
Tatverdacht. Schließlich gab der 18-Jährige aus Bad
Windsheim zu, mit seinem Komplizen aus Neustadt/Aisch in
den Abendstunden des 24.02. die Grabsteine umgeworfen zu
haben. Nach der Entdeckung der Friedhofsschändung war
der Jüngere bei Verwandten in Hessen untergetaucht, wo
er heute nachmittag im Raum Kassel festgenommen wurde.
Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat Haftbefehle
für beide mutmaßlichen Täter beantragt. Nach Recherchen
der Nürnberger Nachrichten (NN) können die beiden
Neonazis nicht als Einzeltäter gelten. Mehrfach seien
sie wegen neonazistischer Aktivitäten in Erscheinung
getreten und verfügten über bundesweite Kontakte zu
extrem radikalen Kreisen. In den vergangenen Tagen war
eine Gruppe der sogenannten "Hammerskins" in
Frankfurt/Main ein Anlaufpunkt für den 17-Jährigen,
berichtet das Blatt.
Diese Gruppe versucht nach
dem Verbot der Nazi-Skinhead-Organisation "Blood &
Honour" den Markt für rechtsextreme Musikproduktionen
und Konzertveranstaltungen zu besetzen. Die
Hammerskin-Division Deutschland unterhält gute Kontakte
zur rechtsextremen Szene, so etwa auch NPD-nahen
Gruppen, berichten die NN. Erst vor knapp einem Monat
war der regionale NPD-Funktionär Matthias Fischer, der
seine Neonazi-Karriere bei einer Skinhead-Gruppe
begonnen hatte, in Budapest bei einem Aufmarsch des "Blood
& Honour"-Netzwerks aufgetreten.
Wie die NN erfahren haben,
existiert auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim
ein rechtsextremes Netzwerk. Nach Angaben von Insidern
wurden dort "nationale Stützpunkte" errichtet. Seit
Monaten werden Jugendtreffs und deren Verantwortliche
sowie Kommunalpolitiker von der rechtsextremen Szene
bedroht; in einigen Fällen wurden sogar Autos
beschädigt, schreibt das Blatt. Der jüdische Friedhof in
Diespeck wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts angelegt;
der älteste noch lesbare Grabstein stammt aus dem Jahr
1786. Erstmals war der Friedhof bereits 1930 und erneut
1933 geschändet worden. Während des Dritten Reichs wurde
die Friedhofsmauer abgetragen; auf Befehl der
amerikanischen Militärregierung musste sie nach dem
Krieg von Einheimischen wieder aufgebaut werden.
Quelle:
redok , nah
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