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Pleite für Nazis in Würzburg

 

Ein geplanter NPD-Aufmarsch hat im bayerischen Würzburg zahlreiche Gegendemonstranten auf die Straße gebracht. Am 19. März protestierten in der 125.000-Einwohner-Stadt rund 8.000 Menschen gegen die Veranstaltung der Neonazis. Die NPD hatte anlässlich des 60. Jahrestags der Zerstörung der Stadt durch alliierte Bomber am 16. März 1945 zur Demonstration aufgerufen. Die Nazis wurden durch die absehbare Dominanz der Gegendemonstranten so sehr entmutigt, dass statt der erwarteten bis zu 1.000 Neofaschisten nur 200 ihren Weg nach Würzburg fanden.

 

Zwei Demonstrationszüge machten sich ab 11 Uhr auf den Weg: Unter dem Motto "Würzburg bunt statt braun" protestierten Christen, Juden und Moslems unter Beteiligung von über 50 Vereinen, Verbänden und aller neun Parteien des Stadtrats gegen den NPD-Aufmarsch. Während bei Religionsgemeinschaften und bürgerlichen Organisationen vor allem für Akzeptanz, Vergebung und Toleranz geworben wurde, attackierte ein Demonstrationszug der Antifa die gesellschaftlichen Ursachen des Neofaschismus. Rund 1.000 großenteils junge Antifaschisten protestierten mit Plakaten, auf denen "Keine Toleranz für Nazis" oder "Deutsche Täter sind keine Opfer" zu lesen war. Organisiert wurde die Demo durch das Würzburger Friedensbündnis, in dem Gewerkschaften, Friedens- und antifaschistische Gruppen zusammengeschlossen sind.

 

Kritik an Gedenkkultur und bürgerlichen Parteien

 

Bei der Auftaktkundgebung kritisierte Michael Kraus von ATTAC Würzburg die fragwürdige Gedenkkultur in der katholischen Domstadt. Solange es in Würzburg Kriegerdenkmäler gebe und Plätze nach Nazi-Kollaborateuren wie etwa Kardinal Faulhaber benannt seien, brauche man sich über die Präsenz von Nazis nicht zu wundern. Die ehemalige Ingolstädter PDS-Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter kritisierte die von den bürgerlichen Parteien geschürten Grundlagen des Rechtsextremismus wie Rassismus, Nationalismus, Militarismus und Sozialdarwinismus.

 

Bei der Kundgebung des Würzburger Friedensbündnis ab 13 Uhr stellte der Historiker Dr. Hans Steidle die Gedenktafel des Friedensbündnis für alle Opfer des Nationalsozialismus vor. Sie soll am 19. Juni beim ehemaligen Sammelplatz für die Deportation der mainfränkischen Juden angebracht werden. Weitere Redner von DGB und einem Asylkreis kritisierten den Sozialabbau und die Masseneinweisung geduldeter Asylbewerber in Sammelunterkünfte.

 

Neonazi-Strukturen in Würzburg

 

Holger Grünwedel von der VVN-BdA warnte vor der in Würzburg ansässigen, neofaschistischen Theorie- und Kaderschmiede "Deutsches Kolleg". Mit Unterstützung von Ex-RAF-Terrorist und NPD-Anwalt Horst Mahler wird ein "Viertes Reich" in Grenzen von vor 1945 geplant, ein 100-Tage-Programm sieht zudem die Ausweisung aller Juden und Ausländer vor. Gezielt baue der NPD-Bezirksvorsitzende Uwe Meenen rechte Strukturen in den Städten und Dörfern auf. Grünwedel kritisierte zudem Sozialabbau und neoliberale Kälte als Grundlage für rechte Agitation.

 

Die Demonstration der 150 bis 200 Neofaschisten zum Kriegerdenkmal am Neunerplatz gegen 16 Uhr wurde mehrfach massiv durch bis zu 300 Antifaschisten gestoppt. Eine Sitzblockade löste die Polizei gewaltsam auf, dabei wurden mehrere Gegendemonstranten verletzt. Mehrere Personen aus dem Nazi- wie dem Antifa-Spektrum wurden vorübergehend festgenommen. Angesichts des Bundestagswahlkampfs 2006 erwartet die Antifa, dass die Nazis in einem Jahr noch stärker nach Würzburg mobilisieren.

 

Quelle: Michael Kraus

 

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