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Naziverbrechen am eigenen Leib erfahren

Auf ihrer ersten Mitgliederversammlung des Jahres 2007 konnte die Kreisvereinigung Bamberg der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) zahlreiche neue Mitglieder aufnehmen und zugleich auf ihr 60-jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlass wurden Frau Hilde Kaim und Frau Jutta Franke wegen ihrer langjährigen Verdienste um die VVN/BdA Bamberg zu Ehrenvorsitzenden ernannt. Frau Jutta Franke, geb. Rosenbaum hatte die nationalsozialistische Verfolgung am eigenen Leib erfahren müssen: Als rassisch Verfolgte war sie und ihre gesamte Familie über Jahre hinweg Schikanen, Verhören und Verhaftungen ausgesetzt. Ihr Vater (Offizier im 1. Weltkrieg) war zu 8 Monaten Zuchthaus  in Breslau verurteilt und danach ins KZ Buchenwald verschleppt worden.

 

Jutta selbst musste ab August 1944 im Lager Ostlinde/Schmiegrode, einem Außenlager des KZ Groß-Rosen, Zwangsarbeit leisten. In diesem Lager lernte sie auch ihren späteren Ehemann Karlheinz Franke kennen, der vielen Bambergern als langjähriger OSTDir des Dientzenhofer Gymnasiums noch in reger Erinnerung ist. Frau Jutta Franke war 1947 der VVN beigetreten und trug über viele Jahre hinweg als Vorstandsmitglied die Arbeit der VVN/BdA in Bamberg aktiv mit.

 

Frau Hilde Kaim, geb. Hegmann hatte sich als überzeugte Katholikin mutig dem Nationalsozialismus widersetzt und war deshalb auch von der Gestapo überwacht worden. Von 1946 bis 1948 war sie als Mitglied in der Spruchkammer I (Bamberg-Stadt) zur Entnazifizierung tätig. Dort arbeitete auch ihr späterer Ehemann Adam Kaim, der zwischen 1933 und 1945 in den Konzentrationslagern Dachau und Mauthausen insgesamt 100 Monate verbringen musste. Hilde Kaim kämpfte ihr Leben lang als Vorstandsmitglied der VVN/BdA in Bamberg gegen Alt- und Neofaschisten. Auf ihre Initiative ging in den 70er Jahren eine Ausstellung über Judenverfolgung in Bamberg zurück und sie erreichte bereits 1977 die Ehrung des ersten Bamberger Nazi-Opfers Willy Aron durch die Stadt Bamberg. Zu Beginn der 80er Jahre initiierte sie zusammen mit Chris Fiebig die Mahnmalinitiative, deren Ergebnis das Mahnmal für die Bamberger Opfer des Nationalsozialismus auf der Unteren Brücke ist. Frau Hilde Kaim erhielt 1987 aus der Hand des damaligen Präsidenten der VVN/BdA, Dr. J. Rossaint in Frankfurt eine Ehrenurkunde mit der Begründung: „Hilde Kaim habe das  gesellschaftliche Ansehen und den Einfluß der VVN/BdA gemehrt, indem sie engagiert und unermüdlich das antifaschistische Vermächtnis der NS-Verfolgten vertreten habe (…) Sie sei eine entschiedene Kämpferin für Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit“. Frau Kaim war im April 2001 von der Stadt Bamberg auch mit der Stadtmedaille ausgezeichnet worden.


Die neuen und alten Mitglieder der VVN/BdA versprachen beiden Frauen, in deren Sinn die Ziele des „Schwurs von Buchenwald“ weiterhin zu verfolgen. Dies gerade auch im Widerstand gegen die zunehmenden Auftritte neofaschistischer Gruppen in der fränkischen Heimat wie etwa in Gräfenberg, oder im Einsatz für eine Verbotsforderung für die NPD und aller neofaschistischen Gruppen.

 


Quelle: gpi

 

 

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