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Oberfranken und der Verfassungsschutz

 

Der Kreisjugendring im Landkreis Forchheim hat am 18. April 2007 zusammen mit dem Bürgerforum Gräfenberg zur Diskussion über rechte Aktivitäten eingeladen. Als Referent fungierte Robert Bihler von der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz. Die Erwartung der zahlreichen Zuhörer, Fakten über die rechten Strukturen der Neofaschisten in Bayern und im Kreis Forchheim zu erfahren - wie auf dem Einladungsblatt der Veranstalter angekündigt - war groß. Die Enttäuschung allerdings noch größer: Allgemeine Zahlen und Aussagen über Neofaschisten, wie sie in jeder Tageszeitung oder offen im Internet zu lesen sind, waren das unbefriedigende Ergebnis des mehr als einstündigen Referates von Bihler.

 

Die Allgemeinplätze des Referenten dienten scheinbar der Zufriedenheit eines überschaubaren Teils der Veranstalter. Dabei wäre sehr leicht gewesen festzustellen, dass nach Zahlen des Verfassungsschutzes von bundesweit rund 40.000 Neofaschisten etwa 5.500 in Bayern leben. Das ist überdurchschnittlich hoch und entspricht etwa 14 Prozent der von den Behörden wahrgenommenen Nazis in den 16 Bundesländern. Jedes zehnte NPD-Mitglied lebt also in Bayern. Alles scheinbar kein wirkliches Problem für den Verfassungsschutzbeamten aus München, außer vielleicht dem Hinweis, dass es schon rechtsextreme Gewalttaten in Bayern gibt, aber die hätten ja eher abgenommen. Kurz und gut: Es war die zu erwartende verharmlosende Darstellung des Neofaschismus, die Bihler von sich zu hören gab. Über genaue Zusammenhänge der rechten Strukturen wurden keine Kenntnisse oder Auskünfte erteilt. Orte rechter Aktivitäten sind dem Beamten offenbar nicht bekannt. Aktionen der Neofaschisten hat Bihler klein geredet.

 

Wenn der Vortrag wirklich die Recherchenergebnisse des Verfassungsschutzes wiedergibt, dann sollte man die Arbeitsweise der Behörde in Frage stellen. Wenn dem Verfassungsschutz mehr bekannt ist, aber nur soviel gesagt wird, dann kann man sich derartige "Aufklärungsabende" gerne sparen. Aktive Antifaschisten wären besser in der Lage, die rechte Szene und ihre Strukturen einer interessierten Öffentlichkeit zu erläutern.

 

In der Diskussion über das teilweise provokante Verhalten der polizeilichen „Dienerschaft“ gegenüber den Gräfenberger Widerständlern war vom Referenten sehr schnell das Argument von den „gewaltbereiten Autonomen“ zur Stelle, vor denen man die Gräfenberger Bürger schützen müsse. Die so genannten Autonomen, wer auch immer das alles sein mag,  gelte es fernzuhalten, damit die Gräfenberger in Ruhe ihre Aktionen machen könnten, so der Tenor des Referats.

 

Interessant, aber nicht neu,  war der Hinweis von Robert Bihler, dass Neofaschisten die Aufklärung über das Mörderregime des Nationalsozialismus verachten. Über die historischen Wahrheiten wollen die ewig Gestrigen nichts wissen, das schade ihnen, so der Referent. Kein Wunder also, dass Nazis die Geschichte ins Gegenteil verdrehen. Das zeigt der aktuelle Fall des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Oettinger. Der Blutrichter Filbinger wird zum Widerstandskämpfer gemacht. Das ist weit mehr als ein Fehler. Das ist der Beweis für die Protege der Neofaschisten aus der Mitte der Gesellschaft heraus. Eine derartige Aussage eines Ministerpräsidenten verhöhnt die Opfer und klittert die Geschichte bewusst zu Gunsten der Neofaschisten. Da hilft auch keine Entschuldigung: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

 

Quelle: gpi/artn

 

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