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Untergang
oder Befreiung?
Eine
Veranstaltung zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in
Deutschland
Auf
einen überraschend regen Zuspruch traf eine
Diskussionsveranstaltung des linken Bündnisses Haßberge
am Gründonnerstag in der Haßfurter Gaststätte „Watzmann“.
Thema des, in Kooperation mit dem Münchner
Kurt-Eisner-Bildungsverein (KEV) durchgeführten Abends
war „Untergang oder Befreiung? – 60 Jahre Ende des
Naziterrors“. Der
Sprecher des politischen Stammtisches, der Eltmanner
Joachim Reitz, stellte Eingangs klar, dass die
Fragestellung rein rethorischer Natur ist, denn „natürlich
war es eine Befreiung Deutschlands und Europas vom
Naziregime“. Allerdings, so Reitz weiter, sei die
Befreiung vom Faschismus, mit seinem braunen Gedankengut
bis heute nicht gelungen, was die jüngsten Wahlerfolge
der Rechten im Osten, aber auch im Haßbergkreis,
beweisen. So waren die NPD in Burgpreppach mit 8,3 %,
und die gesamten Rechtsparteien landkreisweit mit über
5 %, bei der letzten Europawahl im Juni 2004 auch hier
sehr erfolgreich.
Für
die Hauptreferentin des Abends, die stv. Vorsitzende der
Thüringer Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
– Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Elke Pudszuhn, war
es daher ein wichtiges Anliegen die Verschiedenen im
Umlauf befindlichen Begrifflichkeiten genauer zu
definieren. Rein sachlich betrachtet, stehe z.B. das
Wort „Untergang“ im Zusammenhang mit dem Kriegsende
nicht erst seit der erfolgreichen Hitlerverfilmung für
das Ende des Deutschen Reiches und seiner
Nationalsozialistischen Staatsstruktur. Große Teile der
Gesellschaft blendeten allerdings die Realität aus,
nach der es „ohne Anfang auch kein Ende“ gibt, und
dieser Anfang erst durch den Willen und der
Tatenlosigkeit der Bevölkerungsmehrheit ab 1933
herbeigeführt wurde, so die Diplom-Historikerin.
Im
zweiten Teil ihres Vortrages berichtete sie von den
Erlebnissen ihrer Eltern, die beide im kommunistischen
Widerstand aktiv waren. Am 30. November 1933 wurden
beide Elternteile von der Gestapo verhaftet, und im Mai
1934 wegen „Untergrundtätigkeiten für die KPD“,
Zitat aus der noch vorhandenen Original Anklageschrift
vor dem Landgericht Suhl, zu langjährigen Haftstrafen
verurteilt. Während die Mutter nach zweieinhalb Jahren
Haft freikam, war es dem Vater erst zum Kriegsende
wieder gegönnt, seine Familie zu sehen, und das KZ
Buchenwald als grausame Erinnerung hinter sich zu
lassen, einer Zeit in der er ein Dasein fristen musste,
das nicht Leben genannt werde konnte. Er und seine Mithäftlinge,
darunter Sozialdemokraten, Kommunisten, Juden,
Sinti/Roma, evangelische/katholische Geistliche,
Homosexuelle, Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler,
mussten arbeiten bis viele vor Schwäche starben oder
einem SS-Mörder zum Opfer fielen. Dennoch bewahrten sie
sich ihre Menschenwürde und trotzten dem Terror, halfen
einander, besonders den Kranken und Schwachen, leisteten
organisierten Widerstand und retteten zum Tode
verurteilte vor dem Galgen oder dem Transport in ein
anderes Vernichtungslager.
Aufgrund
der eigenen Familiengeschichte ist es für die
PDS-Kommunalpolitikerin Pudszuhn eine Verpflichtung und
zugleich Ehre, vor allem Jungen Leuten in Schulen,
Universitäten und Vereinen den „Schwur von
Buchenwald“ nahe zu bringen. Die 21.000 Menschen, die
die Befreiung am 11. April 2005 überlebt haben,
schworen „…Vernichtung des Nazismus mit seinen
Wurzeln, Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der
Freiheit…“.
Quelle:
Linkes Bündnis Hassberge, Joachim Reitz
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