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Erfolgreiche Demo: Hildburghausen ist Bunt!

 

Rund 300 Demonstranten schlängelten sich am Sonnabend, den 12.05.2007 durch die Altstadt von Hildburghausen, um gegen eine Kundgebung der NPD zu protestieren. Vom Bahnhof der Südthüringer Kreisstadt aus ging es nahe an der Nazi-Kundgebung vorbei, wo sich rund 30 gerade dem Grundschulalter entwachsene Knaben zu einem Fahneschwenkenden Spalier aufgebaut haben, zum historischen Marktplatz. Dort angekommen ist das inzwischen untragbare Verhalten des örtlichen NPD Kaders Tommy Frenck sichtbar. Seit einem Jahr ragt aus seiner unmittelbar am Marktplatz gelegenen Wohnung ein an die Reichskriegsflagge erinnernder "Fassadenschmuck".

 

Am Sonnabend haben sich Kirchen, Politiker und Gewerkschafter zusammengeschlossen, um den Umtrieben die Stirn zu bieten. Tommy Frenck ist bereits in Erscheinung getreten, als er Anfang 2005 das nördlich von Hildburghausen gelegene Schleusingen zur so genannten „Frontstadt“ ausrief, und am Vorabend des 30. Januar 2005 ungehindert einen Fackelzug organisieren konnte. Die Bürgerinnen und Bürger einer Schleusinger Initiative haben jedoch im Anschluss dafür gesorgt, dass die Stadt bei Nazi-Umtrieben nicht mehr weggeschaut, und dass nichts verharmlost und verschwiegen wird. Mit seinem Konzept einer "Fronstadt Schleusingen" ist der Jungkader jedenfalls gescheitert, und auch in Hildburghausen ist man auf gutem Wege.

 

In einem Aufruf gegen Nazis in Hildburghausen heißt es: "Seit geraumer Zeit nehmen demokratiefeindliche Bestrebungen des organisierten Rechtsextremismus in Hildburghausen und Umgebung massiv zu. Konzerte und Hetzveranstaltungen mit Neonazi Größen wie Frank Rennicke, Manfred Röder und den einschlägig auch wegen Gewalttaten vorbestraften Thorsten Heise, Patrick Wieschke oder Jürgen Rieger finden wiederholt, unter anderem in den Räumen des ehemaligen "Sächsischen Hof" am Hildburghäuser Bahnhof statt.

 

Ermöglicht wurde dies zuerst durch Sigurd Martens, einem Gründer des "Deutschen Jugendbundes". 2005 rief der NPD-Kreisvorsitzende Tommy Frenck Schleusingen zur "Frontstadt" aus. Seit seinem Umzug nach Hildburghausen ist dessen Wohnung am Markt Treffpunkt und NPD-Adresse. Nils Burghardt vertreibt in der Schleusinger Straße in Hildburghausen alle in der rechtsextremistischen Szene beliebten Bekleidungsmarken. Im Stadtbild sind diese dann unübersehbar, so wenn des Nachts ruhestörend durch Hildburghausen gezogen und ausländerfeindliche Parolen gegrölt werden. Damit nicht genug: nichtrechte Jugendliche wissen von feigen, gewalttätigen Übergriffen zu berichten, die Polizei musste eingeworfene Schaufenster in Imbissen und Parteibüros aufklären, in ein italienisches Restaurant wurde erst Ostern eingebrochen.

 

Bürger, welche dieses Treiben nicht unkommentiert hinnehmen, werden bedroht, dem Bürgermeister Anzeigen und Beschwerden angehangen. Inzwischen prahlen Rechtsextreme im Internet mit einer Vernetzung aller rechtsextremen Strukturen in Südthüringen. Eine besondere Rolle in diesem Netzwerk spielt das von Tommy Frenck angekündigte Hildburghäuser Rechtsbündnis. Dazu gehören neben dem NPD-Kreisverband Hildburghausen-Suhl eine Gruppe von NS-Black Metal-Anhängern um Sven Voigt und die Kameradschaft Hildburghausen um Kevin Hergert. Parallel dazu gründen szenebekannte Leute Vereine, um sich mit einem unverdächtigen Anstrich in der Mitte der Gesellschaft breit zu machen. Dies alles ist Mittel zu einem Zweck: im "Superwahljahr 2009" wollen Rechtsextremisten auch in Thüringen Mandate erlangen, um, wie der NPD-Landesvorsitzende Frank Schwerdt erklärte, "Thüringen politisch wieder zu erobern und seine alte Attraktivität und Stärke zu verleihen". Diese unverhohlene Bezugnahme auf Zeiten, in welchen Thüringen unter Nazi-Herrschaft stand, ist ein Aufruf gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung und eine offene Kampfansage an die Zivilgesellschaft.

Auch Hildburghausen hatte bis 1945 Opfer der NS-Gewaltherrschaft zu beklagen: jüdische Bürger wurden in Vernichtungslager verschleppt, Vertreter der demokratischen Kräfte verfolgt, noch am 7. April 1945 provozierten fanatische Nazis, so dass heranrückende amerikanische Truppen das Schloss unter Beschuss nahmen. Im historischen Wissen darum widerstehen wir diesen jetzigen antidemokratischen Attacken und möchten deshalb in Hildburghausen ein unübersehbares Zeichen setzen. Wir beteiligen uns am Samstag, dem 12. Mai 2007 um 17.00 Uhr an der Demonstration der demokratischen Kräfte und rufen alle demokratisch gesinnten Bürgerinnen und Bürger auf, diese Demonstration des überparteilichen Bündnisses gegen Rechtsextremismus zu unterstützen."

 

Quelle: nah

 

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