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Debatte: Zukunftssicherung bei ZF-Sachs

 

Die Debatte um die Zukunftssicherung bei ZF-Sachs am Standort Schweinfurt bleibt in Gang. In einer Presseerklärung hat sich der Vorsitzende des Betriebsrates bei ZF-Sachs in Schweinfurt zu Wort gemeldet. Darin spricht Willy Dekant von einer  langfristigen  Absicherung der Beschäftigung im größten Betrieb der Region. Im Schweinfurter Tagblatt bezeichnet der erste Bevollmächtigte der IG-Metall, Klaus Ernst, die Ergebnisse als Falsches Signal, erkennt allerdings auch an, dass die vereinbarte Regelung der Sicherung von Arbeitsplätzen dient. Ernst sagt in der Zeitung: "Verzichten müssen die Beschäftigten, nicht weil das Unternehmen in einer Krise steckt, sondern weil es den Gewinn erhöhen will." Wir dokumentieren die Diskussion. Zunächst die Erklärung von Willy Dekant:

 

Die deutlich - bereits mittelfristig - drohende Gefahr von dauerhaften Beschäftigungseinbrüchen am Produktionsstandort Schweinfurt hat den Betriebsrat Ende letzten Jahres veranlasst, mit dem Vorstand in Verhandlungen über die Zukunftssicherung des Standorts Schweinfurt einzutreten. In mehreren Verhandlungsrunden im Januar und Februar dieses Jahres, konnte eine Einigung auf Eckpunkte einer Rahmenvereinbarung erzielt werden. Die Eckpunkte sehen - unabhängig von bereits für die nächsten Jahren eingeplanten Ratiomaßnahmen - im Rahmen des Projekts ZF Sachs 2006 (Reduzierung von Kosten im indirekten Bereich und Neuausrichtung der Massivumformung) einen Personalabbau in Höhe von ca. 270 Personen vor, der ohne betriebsbedingte Kündigungen mit Hilfe von Instrumenten wie Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen bis zum Jahr 2008 vollzogen wird. Das zusätzlich geplante Outsourcing von bestimmten Dienstleistungsbereichen wurde auf Forderung des Betriebsrats vom Vorstand zurückgezogen. Ein weiterer Bestandteil des Rahmenabkommens sind Maßnahmen zur Modernisierung der Produktion und zur Flexibilisierung der Arbeitszeit. An allen ZF Sachs-Standorten wird ein sog. Global Production System eingeführt. Durch Mitarbeit in Projektleitung und Projektteam und den Abschluss einer Betriebsvereinbarung zur Ausgestaltung des neuen Produktionssystems wird sich der Betriebsrat hier konstruktiv beteiligen.

Im Zentrum geplanter Arbeitszeitflexibilisierung stehen vierteljährliche Planungs- und Steuerungsgespräche zwischen Werkleitungen, Controlling, Personalabteilung und Betriebsrat, mit denen eine für beide Seiten verbindliche Arbeitszeit-, Schicht- und Personalplanung erreicht werden soll. Mit der Modernisierung der Produktion und Arbeitszeitflexibilisierung wollen Vorstand und Betriebsrat im Konsens eine deutliche Effizienzsteigerung in der Produktion bei gleichzeitiger Senkung der Belastung der Mitarbeiter erreichen. Mit Zustimmung des Betriebsrats werden Maßnahmen zur Personalkostensenkung ermöglicht: Effektive Kompensation der 2-prozentigen Tariferhöhung zum 01. März 2005. Streichung einiger freiwilliger betrieblicher Zulagen. Einbringung eines Tages pro Jahr aus den persönlichen Zeitkonto der Arbeitnehmer für innerbetriebliche Weiterbildungsmaßnahmen, z.B. Sprachkurse. Wichtig aus Sicht des Betriebsrats ist, dass geplante Eingriffe in tarifvertragliche Leistungen (Mehrarbeitszuschläge, bezahlte Pausen) abgewehrt wurden, und dass die schmerzhafte effektive Entgeltsenkung um 2 Prozent von allen Beschäftigten (Tarifarbeitnehmern, außertariflichen und leitenden Angestellten bis hin zum Vorstand) entsprechend ihres Einkommens erbracht werden muss. Im Gegenzug ist eine Beschäftigungs- und Standortsicherung bis Ende Juni 2010 vorgesehen, wobei in Form eines Beschäftigungskorridors von einer Belegschaftsstärke um die 7.000 (ohne Auszubildende) ausgegangen wird. Für alle unbefristet beschäftigten Arbeitnehmer werden bis Ende Juni 2010 betriebs-bedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Das Ausbildungsniveau wird auf heutigem Stand (ca. 110 - 115 Auszubildende / Jahr) festgeschrieben. Den Auszubildenden wird weiterhin die unbefristete Übernahme nach Abschluss der Ausbildung garantiert. Im Zusammenhang mit der Standort- und Beschäftigungssicherung wurden auf Initiative des Betriebsrates die gemeinsamen Projekte „Insourcing und Umgang mit Fremdvergaben“ sowie „Alternde Belegschaft“ vereinbart, von denen ebenfalls eine positive Wirkung in Richtung Zukunftssicherung erwartet wird.

Von der Zusicherung des Vorstands, mit dem Betriebsrat eine Neuordnung der betrieblichen Altersversorgung nach dem Vorbild der ZF-Rentenregelung zu verhandeln, und einer Erhöhung der Standortkomponente der ZF-Jahreserfolgsprämie erhofft sich der Betriebsrat, einen Teil des Einkommensverzichts langfristig, insbesondere für die jüngeren Arbeitnehmer, wieder zurückholen zu können.

Auf Vorschlag des Betriebsrats hin, soll künftig allen Beschäftigten per Betriebsvereinbarung die Möglichkeit längerer Auszeiten (Sabbaticals) ermöglicht werden. Auf seiner Sitzung am 24.02.05 hat der Betriebsrat die bisherigen Verhandlungsergebnisse einstimmig gebilligt und seine Zustimmung zu einer Fortsetzung der Lösungssuche auf dem Verhandlungsweg erteilt. Auch mit den Gremien der IG Metall erfolgte eine Abstimmung über die Inhalte der Verhandlungen und das weitere Vorgehen. Die Investitionsplanung des Vorstands sieht auch für die Jahre bis 2009 ein hohes Investitionsniveau am Standort Schweinfurt vor. Daraus und aus den vereinbarten Eckpunkten zur Zukunftssicherung verspricht sich der Betriebsrat eine langfristige Absicherung der Beschäftigung im größten Betrieb in der Region.

 

Quelle: Willy Dekant

 

www.nachrichten-aus-Hassfurt.de  hat bereits in zwei weiteren Beiträgen zum Thema berichtet und will die Debatte auch künftig dokumentieren. Andere Informationen hierzu sind hier und hier nachzulesen. Die Position von Klaus Ernst auf der Homepage der IG-Metall ist hier zu finden.

 

 

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