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Gräfenberg: Kein Strom für Nazis

 

Am 2. und 3.Oktober 2007 fand im oberfränkischen Gräfenberg erneut ein Naziaufmarsch statt. Anlass war der Tag der deutschen Einheit. Auch diesmal lag der Erfolg auf Seiten der Antifaschisten. Lediglich 2 Dutzend Neonazis folgten dem Aufruf der NPD, sich bereits am 2.Oktober 2007 zu einer Fackelmahnwache am Gräfenberger Marktplatz einzufinden, um eine erneute Blockade durch Antifaschisten zu verhindern. Die mehr als unmotivierten Nazis wechselten sich halbstündlich beim Halten der Fackeln ab, was ziemlich jämmerlich rüber kam. Die Nazis waren von 2 Reihen Polizeiwägen in einer kleinen Ecke des Marktplatzes eingekesselt. Auf der anderen Seite sah das ganz anders aus. Mehrere Hundert Gegendemonstranten waren bereits am 2.Oktober 2007 anwesend.

 

Im großen Festzelt konnte man sich dank der Essens- und Getränkestände des Bürgerforums stärken. Die VVN bewarb die No-NPD-Kampagne, das Antifaschistische Aktionsbündnis Nürnberg informierte mit einem Büchertisch über die kürzlich gestartete Kampagne gegen Nazi-Kneipen in Fürth. Im Rathaus war eine Ausstellung über Rechtsextremismus in Bayern zu sehen. Um die Antifaschisten die ganze Nacht über bei Laune zu halten gab es ein politisches Kabarett und alte Filme über Wackersdorf. Sowohl außerhalb, als auch im Zelt gab es einen regen Austausch zwischen Antifas und Gräfenberger Bürgern, was den Widerstand in Gräfenberg wieder einmal zu etwas Besonderem werden ließ. Die ganze Nacht über wurde die Mahnwache der Nazis massiv gestört. Wer sich für den nächsten Tag ausruhen wollte, konnte es sich im Zelt oder im Rathaus auf Feldbetten gemütlich machen.

 

Am nächsten Morgen wurde den Gegendemonstranten, entgegen der Ankündigung durch die Polizei den Marktplatz zu räumen, gestattet sich am Gitter vor die Nazi-Kundgebung zu postieren. Lediglich der Zugang zum Rathaus wurde für die Dauer der Kundgebung gesperrt. Am 3.Oktober 2007 fanden sich etwa 100 Neonazis am Marktplatz ein. Das Weißwurst-Frühstück musste dank des fehlenden Stroms jedoch kalt serviert werden. Ein Gräfenberger Wirt hatte sich geweigert den Nazis, trotz des Angebots von größeren Geldbeträgen, Strom zur Verfügung zu stellen. Die Reden von der Rechtsextremisten Fischer, Paulus und Ollert wurden durch lautstarke linke Parolen übertönt oder gingen in Pfeifkonzerten unter. Gegen 11 Uhr war der braune Spuk endlich vorbei.

 

Nun lud das Bürgerforum zu einem Fest der Demokratie und Menschenrechte. Ein ökumenischer Gottesdienst fand statt, danach gab es politische Reden. Nach einer peinlichen Rede eines CSUlers, der sich mit seiner Ablehnung des NPD-Verbotes nicht viele Freunde machte, kam das Antifaschistische Aktionsbündnis mit einem Redebeitrag zu Wort.

 

Das Gräfenberger Bürgerforum hat sich durch den großen Medienrummel und die verspätete Unterstützung von Seiten der Parteien nicht beirren lassen. Von aktivem Ignorieren oder einer Distanzierung von autonomen Antifaschisten war nichts zu spüren. Auch wenn die Nazis den Marktplatz zum ersten Mal betreten haben und obwohl kein einziges Ei oder ähnliches geflogen ist, sind die beiden Tage als Erfolg zu werten. Immer mehr Menschen schließen sich den Veranstaltungen gegen die NPD in Gräfenberg an. Die anfänglich vertretene Meinung, aktives Ignorieren würde das Nazi-Problem von selbst lösen, ist einer Entschlossenheit gewichen, sich den Nazis auch die nächsten Male aktiv entgegen zu stellen.

 

Quelle: nah, indymedia

 

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