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Demo zum Jahrestag der Reichspogromnacht

 

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es seitens Anhänger des Nationalsozialismus zu massivsten Ausschreitungen gegen das jüdische Leben in Deutschland. Synagogen und Bethäuser wurden angezündet, jüdische Geschäfte, Werkstätten und Wohnungen geplündert, Friedhöfe und die dort Ruhenden geschändet. Auch in Würzburg bekamen die jüdischen Mitbürger den Zorn der Antisemiten zu spüren. Die ganze Nacht lang zog der faschistische Mob durch Würzburg und griff jüdische Einrichtungen an. So auch die Wohnung des Weinhändlers Ernst Lebermann in der Scheffelstraße 5. Dieser wurde unter Misshandlungen auf die Polizeiwache in der Schillerschule gebracht, von wo aus er in das Landsgerichtsgefängnis gesperrt wurde. Dort erlitt er einen Schlaganfall an dessen Folgen er wenige Tage später verstarb. Weitere Todesopfer waren drei Frauen, die Selbstmord begingen.

 

Frau Friedmann stürzte sich aus ihrer Wohnung in den Hof, Frau Katzmann ertränkte sich am Hügelsbad im Main und Klara Rosenthal vergiftete sich aus Verzweiflung über die Verhaftung ihres Mannes. Brutal verwüstet wurden jüdische Geschäfte und Kaufhäuser in der Semmelstraße, Eichhornstraße, Schönbornstraße und Kürschnerhof. Die Synagoge in der Domerschulstraße wurde von besonders großer Zerstörungswut heimgesucht und schließlich fiel die Einrichtung gleicher Art in Heidingsfeld den Flammen zum Opfer. Die Täter waren Mitglieder der örtlichen SS- und SA-Verbände, der NSDAP, aber auch normale Bürger. Drei Jahre nach diesen Vorkommnissen ereignete sich im November 1941 die erste Deportation, 1943 hörte die jüdische Gemeinde in Würzburg auf zu existieren.

 

91 Menschen bezahlten den „Volkszorn“ an diesem Tag mit dem Tod und um die 28.000 Menschen jüdischen Glaubens wurden in Konzentrationslager verschleppt. Zum Anlass für den lang geplanten Übergriff nahmen die Nationalsozialisten das Attentat auf den Botschaftssekretär Ernst von Rath, bei dem sich ein jüdischer Junge für die Verschleppung seiner Familie nach Polen rächte. Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Ausgrenzung der Juden aus dem „deutschen Volkskörper“ weit fortgeschritten.

 

Berufsverbote, Verdrängung aus dem Kulturleben, Enteignung, das „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes“ und das „Reichsbürgergesetz“, die Verwehrung des Eintrittes in öffentliche Gebäude und Gaststätten; die Liste noch weiter fortzuführen, würde den Rahmen dieses Flugblattes sprengen. Nachdem sich die Verhältnisse ab dem besagten Datum weiter verschärften, die ersten Juden nach Polen deportiert worden waren und die Ghettobildung fortgeschritten war, wurde am 20. Januar 1942 auf der Wannseekonferenz das Unbeschreibbare beschlossen.

 

Treffpunkt zur Demonstration ist am Freitag, den 09.11.2007 um 16 Uhr am Geschwister-Scholl-Platz in Würzburg.

 

Quelle: nah

 

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