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Macht Arbeit krank?

 

Einem Teilbereich des kränkelnden Gesundheitswesens, dem Arbeitsschutz, widmete die Partei Arbeit und soziale Gerechtigkeit / Wahlalternative (WASG) letzte Woche eine Veranstaltung in der Königsberger „Herrenschenke“. Frank Schneider, Kreissprecher der neu gegründeten Partei, konnte hierzu den ehemaligen Münchner SPD-Stadtrat und jetzigen WASG-Landessekretär Albert Lochner als Referenten begrüßen.

 

„Macht Arbeit krank?“ stellte Lochner als provokante Frage in den Raum, um sogleich auch Antwort zu geben. Zwar sind aufgrund der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes die Krankmeldungen und die Krankenstände in den Betrieben seit Jahren auf konstant niedrigem Niveau, bzw. in einigen Branchen sogar rückläufig, so haben die psychischen Leiden enorm zugenommen. Depressionen, Stress und andere seelische Probleme sind keine Seltenheit mehr, und werden durch die Anforderungen der globalisierten Wirtschaft an die zu „Humankapital“ degradierten Arbeitnehmer noch verstärkt, so der Münchner weiter. Leistungs- und Zeitdruck, Entfremdung der Arbeit durch zunehmende Spezialisierung, Versagensängste, aber auch Mobbing, sowohl durch Vorgesetzte, als auch durch Kollegen sind nur ein Teil der Gründe, die die Sozial- und Präventivmedizin nahezu machtlos erscheinen lassen. Eine immer größere Rolle spielt hierbei auch die Drohung vieler Arbeitgeber, Arbeitsplätze in das billigere, zumeist östliche, Ausland zu verlagern.

Die daraus resultierenden Gesellschaftlichen Kosten sind für den WASG-Politiker auch ein wichtiger Faktor, der die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung stark belastet. Die WASG habe sich daher eine Gewerkschaftsforderung zu eigen gemacht, die darauf abzielt, die Kosten Arbeitsbedingter Erkrankungen in die Verantwortung der Arbeitgeber, und der von deren Beiträgen getragenen gesetzlichen Unfallversicherung zu übergeben. „Die Vorstellung der Arbeitgeber, die Versicherten würden nicht genügend Eigenverantwortung zeigen“, so Albert Lochner, „und daher weitere Einschnitte bei Patientinnen und Patienten zu  fordern ist schamlos. Es müssen auch entschiedenere Maßnahmen für die Prävention getroffen werden, und ganz besonders in der Arbeitswelt.“

 

Die Ebelsbacherin Hannelore Krautheim, Mitglied im Regionalvorstand der WASG, wies daraufhin, dass nicht nur die klassische handwerkliche Industriearbeit stärkeren Belastungen ausgesetzt ist, auch im Dienstleistungssektor, z.B. Pflege, werden die Probleme immer offensichtlicher. „Die, durch die Pflegeversicherung vorgegebene Akkordarbeit im Pflegebereich ist nicht nur für die Kranken und Alten eine Belastung, sondern auch für die Beschäftigten.“ Außerdem dürfe auch die gesundheitliche Belastung, der bereits arbeitslos gewordenen Menschen nicht übersehen werden. Zukunftsängste, extrem verstärkt durch Hartz IV, die Angst, die Familie nicht mehr ernähren zu können, Angst, das Eigenheim und jegliches Vermögen zu verlieren, stürze sehr viele Menschen in psychosomatische Erkrankungen. Die durch die Gesundheitspolitik der Bundesregierung immer höher werdenden Zuzahlungen, so Hannelore Krautheim, treibe viele Menschen in eine schier ausweglose Situation.

 

Quelle: Joachim Reitz

 

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