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DGB Kreis Hassberge fordert Mindestlöhne

 

Der DGB- Kreisverband Hassberge traf sich am vergangenen Wochenende zu einer Arbeitstagung, anlässlich der er nochmals alle wahlberechtigten Sozialversicherten dazu aufruft, sich an den Sozialwahlen 2005 zu beteiligen. DGB Kreisvorsitzende Sabine Schmidt: "Wählen heißt mitbestimmen. Nutzen Sie die Möglichkeit die Versichertenvertretung in ihrer Krankenversicherung oder der Rentenversicherung zu wählen!“ Die Haushaltsplanaufstellung und Finanzplanung gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Selbstverwaltung, die die Vertreter der Versicherten in der Sozialversicherung haben, erläuterte Vorstandsmitglied Jürgen Hennemann. Alle sechs Jahre werden Kandidatinnen und Kandidaten für die Vertreterversammlung der gesetzlichen Renten- und Unfallversicherung und für die Verwaltungsräte der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungen gewählt. Die Gremien sind je zur Hälfte mit Arbeitgebern und Versicherten besetzt. Außer bei den Ersatzkassen. In ihnen reden nur die Versicherten mit. Die Vertreter arbeiten alle ehrenamtlich, so Hennemann.

 

Die Vertreterversammlung und Verwaltungsräte haben die Aufgabe, den Vorstand zu wählen und zu kontrollieren. Sie beschließen aber auch die Satzung. In der Satzung der Krankenkasse ist zum Beispiel festgelegt, wie hoch die Krankenkassenbeiträge der Versicherten sind, brachte Helmut Buld in Erinnerung. Die gewählten Vertreter vertreten in den Widerspruchsausschüssen die Versicherteninteressen. Bei der Anerkennung von Versichertenzeiten etwa, oder bei Ablehnung von Hilfsmitteln bei Krankheit. Sie können kontrollieren, welche Verträge mit Ärzten und Krankenhäusern abgeschlossen werden. Sie können darüber wachen, dass bestimmte Qualitätsstandards eingehalten werden. Sie können sich für mehr Vorsorge und Prävention einsetzen, zum Beispiel für Programme für Raucher oder gesunde Ernährung. Oder dafür, dass die Fachleute im Gesundheitswesen enger zusammenarbeiten, was für die Patienten im Ergebnis sowohl besser als auch billiger sein kann. Die Arbeitnehmervertreter in den Berufsgenossenschaften können darauf achten, dass Beschäftigte, die durch gefährliche Arbeitsstoffe an Krebs erkrankt sind, nicht in die Hände von Gefälligkeitsgutachtern gelangen, die auf Firmengehaltslisten stehen. In der Vergangenheit ist es öfter geschehen, dass Todkranke in ihren letzten Lebensjahren noch um eine Berufsunfähigkeitsrente gebracht wurden, weil solche „Experten“ ihr Leiden als nicht arbeitsbedingt bewerteten, ergänzte Christoph Dörr auf der Arbeitstagung.

 

Vieles, was in den letzten Jahrzehnten erreicht wurde, etwa im Arbeitsschutz, ist gefährdet. Durch ständige Versuche von Arbeitgebern und ihren Verbänden, auf politischem Wege durchzusetzen, dass Leistungen abgebaut werden, um Betrieben Kosten zu sparen. Unter Schlagworten wie „Bürokratieabbau“ fordern sie, die Ausgaben für Prävention, Reha und Arbeitsschutz zu senken. Um die „Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“ drängen sie darauf, Entschädigungen bei Wegeunfällen abzuschaffen, Renten zu kürzen und Leistungen der Krankenkassen noch mehr zusammenzustreichen, stellt Willy Schütz fest. Das zeigt, wie wichtig es ist, Gewerkschaftslisten zu stärken. Sie bieten als einzige Gewähr, dass die Interessen der Beitragszahler und Rentner vertreten werden. Und sie haben das Fachwissen und ein ganzes Netz von kompetenten Beratern. Nicht bei allen Versicherungen gibt es „Urwahlen“, bei denen die Wählerinnen und Wähler tatsächlich abstimmen können. Oft einigen sich die Organisationen vorher darauf, genauso viele Männer und Frauen vorzuschlagen wie Sitze zu vergeben sind. Sie gelten dann automatisch als gewählt („Friedenswahl“). Das ist bei den Meisten Krankenkassen der Fall. Urwahlen gibt es bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), der Barmer Ersatzkasse und der Techniker-Krankenkasse. Bei den meisten BKK´s gibt es Friedenswahlen, so Helmut Buld stellvertretender Vorsitzender des DGB Kreis Hassberge.

 

Die Sozialwahl ist eine reine Briefwahl. „Es ist denkbar einfach zu wählen“, erklärte Christoph Dörr das Wahlverfahren. Die Wahlunterlagen werden an Mitte April allen Wahlberechtigten nach Hause zugesandt. Nur noch die Listen der DGB Gewerkschaften ankreuzen, fertig, ab in den nächsten Briefkasten. Die Briefwahl ist für die Wähler kostenfrei. Sie muss bis 01. Juni 2005, dem offiziellen Wahltag, erfolgt sein.

 

Die Sozialwahl ist eine Listenwahl. Es werden also keine einzelnen Personen angekreuzt, sondern Organisationen. Neben den Gewerkschaften werben noch andere Listen um die Stimmen der Versicherten. Oft verbergen sich hinter „freien Listen“ Kandidaten, die schwer durchschaubare oder gar Arbeitgeberinteressen vertreten. Deshalb bewährte Kräfte, der DGB Gewerkschaften wählen. Die Arbeitnehmerinteressen sicher im Blick hat Elisabeth Kuhn aus Schweinfurt. Die freigestellte Betriebsrätin von SKF kandidiert auf der bundesweiten BfA- Liste der IG Metall auf Platz fünf für die Vertreterversammlung, erwähnt Helmut Buld Stellvertretender Vorsitzender des DGB Kreis Hassberge.

„Wer regionale Vertretung haben möchte, muss bei uns im Kreis die Liste der IG Metall wählen“, so Vorstandsmitglied Jürgen Hennemann.

 

Neben dem Thema Sozialwahlen befasste sich der DGB Kreis Hassberge auf seiner Arbeitstagung auch mit dem Thema Mindestlohn. Die Vorsitzende des DGB Kreis Hassberge begrüßt die Regierungspläne zur Einführung von Mindestlöhnen, sie sagte: „Wer arbeitet muss soviel verdienen, dass er davon vernünftig leben kann. Deshalb ist es höchste Zeit zu handeln!“  Den Verdrängungswettbewerb zu Lasten hiesiger Arbeitnehmer durch Lohndrückerei osteuropäischer Arbeitnehmer gelte es zu unterbinden. Wobei sich Schmidt wundert, dass die Politik erst jetzt reagiert: „Seit Jahren warnen wir vor Lohn-, Steuer- und Sozialdumping im Zuge der EU- Osterweiterung. Getan wurde bisher wenig bis nichts.“ Um Lohndumping, Steuerflucht und Unterbietungswettbewerb einzudämmen hat sich der DGB für die Einführung von sozialen Mindeststandards in Europa und einer europäischen Steuerharmonisierung ausgesprochen.

 

Einer Studie der Hans- Böckler- Stiftung über Niedriglöhne zufolge, gibt es in Deutschland 2,1 Millionen Arbeitnehmer, die weniger als 50% der Durchschnittslohnes in Vollzeit verdienen. Das sind weniger als 833 € brutto/ Monat.

Auch in Tarifverträgen sind Niedrigstlöhne längst Realität. So kommt eine Friseurmeisterin in Sachsen auf einen Stundenlohn von 5,59 €. Ein Wachmann in Schleswig- Holstein auf 5,60 €, ein Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft im Rheinland auf 4,68 € und ein Leiharbeiter in Bayern auf 7,00 €. Wobei zu berücksichtigen ist, dass die Tarifverträge der christlichen Gewerkschaften diese Haltelinien noch unterbieten, so Vorstandsmitglied Jürgen Hennemann. Wer also behauptet wir müssten in Deutschland einen Niedriglohnbereich schaffen um Arbeitsplätze entstehen zu lassen, nimmt die Realitäten nicht zur Kenntnis, sagte Helmut Buld.

So plädiert Helmut Buld für eine Debatte um den Wert der Arbeit und die Würde des Menschen. „Wir müssen aufhören die Arbeitsbedingungen des 19. Jahrhunderts wieder herbeizuführen. Denn wenn sich wieder Wenige am Elend Vieler bereichern, entwickelt sich diese Gesellschaft in die falsche Richtung.“

 

Zum Ausklang der Arbeitstagung wurden noch letzte Vorbereitungen anlässlich der diesjährigen Maikundgebung des DGB Kreisverband Hassberge am 30. April in Neubrunn in der Heilig Länder Halle getroffen. Wie bereits bekannt gegeben ist der Beginn um 19:30 Uhr. Der Programmablauf gestaltet sich wie folgt:

Nach der Begrüßung durch Sabine Schmidt, Vorsitzende des DGB Kreisverbandes Haßberge, wird Gottfried Schneider, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Verwaltungsstelle Bamberg eine Rede zum 1. Mai halten. Für Stimmung werden die Neubrunner Musikanten sorgen, die ab 19:00 Uhr spielen. Für Verpflegung ist ausreichend gesorgt. Der DGB Kreisverband Hassberge freut sich auf zahlreiche Teilnahme und bittet alle Besucher wenn möglich Fahrgemeinschaften zu bilden. Dies hat neben dem Kostenaspekt noch den Vorteil dass der eine oder andere sich ein wohlverdientes Bier mehr gönnen kann. Der DGB Kreis Hassberge will dass jeder wieder sicher nach Hause kommt. Vor allem liegt ihm aber am Herzen, dass durch ein gemütliches Beisammensein jeder wieder Kraft findet, um die derzeitig schwierige ökonomische Situation gemeinsam besser bewältigen zu können. Der zunehmende Arbeitsplatzabbau in unserer Region, sowie die Umverteilung des Vermögens von unten nach oben, erfordern unseren Zusammenhalt und das Aufzeigen von Alternativen, berichtet Sabine Schmidt. Sie ruft deshalb dazu auf auch Freunde und Bekannte zur Maikundgebung am 30. April mitzubringen, welche unter dem Motto steht: „Du bist keine Nummer! Du hast Würde zeig sie!“

 

Quelle: Sabine Schmidt

 

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