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Starrsinn bei IBM-Managern

 

Die von IBM gesetzte Frist, innerhalb derer die Beschäftigten die Angebote bezüglich der Annahme eines Aufhebungsvertrages akzeptieren konnten, ist nach nochmaliger Verlängerung am Dienstag, 19. April 2005 abgelaufen. Es hat sich deutlich mehr als die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von IBM verführen lassen und den Vorschlag von IBM angenommen. Eine präzisere Angabe über die genaue Zahl ist im Moment noch nicht möglich, da das Unternehmen nur die Gesamtzahl für die beiden Standorte Hannover und Schweinfurt mitteilt.Die Entwicklung ist schlecht, weil jeder Arbeitsplatz, der auf diese Weise zunächst einmal für Schweinfurt verloren geht, nicht nur Nachteile für den ehemaligen Besitzer des Arbeitsplatzes mit sich bringt, sondern sich der Verlust auch nachteilig auf die wirtschaftliche Struktur der Stadt und der Region auswirkt.

 

IBM hat nach wie vor keinerlei Bereitschaft und Interesse an einer konstruktiven Lösung gezeigt. Obwohl Betriebsrat, Gesamtbetriebsrat und die beiden Gewerkschaften IG Metall und Verdi in einer ganzen Reihe von Verhandlungsrunden immer wieder Vorschläge mit dem Ziel des Erhalts des Standortes gemacht haben, blieb IBM bisher stur bei der gemachten Ankündigung, den Standort zum September diesen Jahres komplett dicht machen zu wollen. Wenngleich jetzt eine erhebliche Anzahl von Beschäftigten dem auf sie ausgeübten Druck nachgegeben und das Beschäftigungsverhältnis mit IBM „freiwillig“ aufgelöst hat, will die IG-Metall den verbleibenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit der gleichen Energie zur Seite stehen, wie das in den vergangenen Wochen bewiesen wurde. Die Betriebsräte werden weiter alle ihnen zur Verfügung stehenden gesetzlichen Möglichkeiten ausnutzen, um doch noch auf dem Verhandlungsweg einen akzeptablen Interessenausgleich und Sozialplan abzuschließen, der dann für diejenigen zur Anwendung käme, die eine „betriebsbedingte Kündigung“ erhalten - wie es IBM ja angekündigt hat. Gleichzeitig haben die IG Metall Mitglieder bei IBM im Rahmen einer Mitgliederversammlung eine betriebliche Tarifkommission gewählt. Diese Tarifkommission erarbeitet derzeit ein konkretes Forderungspaket, mit dem IBM dann zu Tarifverhandlungen aufgefordert wird. Inhalte könnten beispielsweise „höhere Abfindungen“, „Qualifizierungsmaßnahmen“ und eine „zeitliche Streckung“ der geplanten Kündigungen sein. Mit der Formulierung der Forderungen und der Aufforderung an den Arbeitgeber in Verhandlungen einzutreten befindet sich der IBM Standort in einer offiziellen Tarifauseinandersetzung. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine solche Auseinandersetzung im Zusammenhang mit  einer geplanten Betriebsschließung wurden erst jüngst wieder höchstrichterlich bestätigt.

 

Natürlich stünden den Beschäftigten und der IG Metall dann auch alle klassischen Arbeitskampfmaßnahmen (wie Warnstreiks, Urabstimmung und Streik ) zur Durchsetzung ihrer Forderungen zur Verfügung. In Anbetracht des bisherigen rücksichts- und kompromisslosen, ja teilweise an „Starrsinn“ grenzenden Verhaltens der Verantwortlichen bei IBM erwartet die IG Metall eine harte Auseinandersetzung. Wer die aktuelle Stimmung der Beschäftigten bei IBM kennt, teilt sicher die Einschätzung, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für sich in den Aufhebungsverträgen keine Option sahen, zusammen mit ihrer Gewerkschaft konflikt- und handlungsbereit sind.

 

Quelle: Peter Kippes

 

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