|
An
den Landrat
Herrn
Rudolf Handwerker
Landratsamt
Hassberge
Offener
Brief
Sehr
geehrter Herr Landrat Handwerker,
der
DGB Kreis Hassberge sieht es als lobenswerte Geste, dass Sie sich mit der
Lehrstellenproblematik in unserem Landkreis auseinandersetzen. Der Presse
konnten wir entnehmen, dass Fachleute aus allen möglichen Bereichen sich um die
Zukunftschancen der Jugend im Landkreis sorgen. Deshalb waren auch 25 Frauen und
Männer als Experten am Konferenztisch anwesend.
Mit
Bedauern musste der DGB Kreisverband Hassberge feststellen das Betriebsräte und
Gewerkschaften als Arbeitnehmervertreter Ihrer Meinung nach offensichtlich nicht
zum Kreis der Experten gezählt werden, da unserem Wissen nach keine eingeladen
wurden. Dies hat uns sehr verwundert, denn gerade Gewerkschaften und Betriebsräte
kümmern sich um die Ausbildung und sorgen sich engagiert um die Zukunftschancen
unserer Jugend. Darüber hinaus nehmen die Betriebsräte auch im Landkreis
Hassberge ihre gesetzlichen Pflichten wahr und gestalten die Ausbildung in den
Betrieben aktiv mit. Betriebsräte haben bei der betrieblichen Aus- und
Weiterbildung mitzubestimmen. Als Beispiel sei das Beschäftigungsbündnis von
FAG genannt. Darin wurden Mindestzahlen für betriebliche Ausbildungsplätze
zwischen Geschäftsleitung und Betriebsräten vereinbart.
Sicher
ist es auch richtig die Standpunkte aus Wirtschaft und Handwerk einfließen zu
lassen. Funktionierende realistische Lösungen die für alle ein
Zufriedenstellendes Ergebnis bringen, werden jedoch nur erreicht wenn die
Interessen der Arbeitnehmer dabei nicht zu kurz kommen. Es ist ein Widerspruch
an sich, wenn auf der einen Seite die Ausbildungsinhalte als zu viel
angeprangert werden und auf der anderen Seite die Wirtschaft fehlende
Qualifikation anmahnt. Dazu hätten die Arbeitnehmervertreter Stellung nehmen können.
Niemand
hat größeres Interesse Menschen, so auch Jugendliche in Lohn und Brot zu
bringen als die Arbeitnehmervertreter und die Gewerkschaften. Deshalb sollten
Gewerkschaften und Betriebsräte auch als Experten ernst genommen werden und
deren Erfahrungen und Fachwissen berücksichtigt werden. Bei Erstellung der
Ausbildungsordnungen und Schaffung neuer Berufe sind die Gewerkschaften ein
wichtiger Partner.
Theoretische
Lösungen helfen nicht weiter. Dies zeigen die geschlossenen Ausbildungspakte,
die offensichtlich nicht greifen.
Es
müssen Lösungen gefunden werden, die reale Beschäftigung bringen. Die
Diskussion über eine Ausbildungsabgabe für nicht ausbildende Betriebe darf
nicht beiseite geschoben werden und gleichzeitig die ständigen Forderungen der
Wirtschaft nach weiteren Zuschüssen für Ausbildung hervorgehoben werden.
Laut
Presseartikel sehen Sie die Ursache für den Lehrstellenmangel im Versagen der
Gesellschaft. Wir konkretisieren diese Aussage. Für die Bereitstellung einer
ausreichenden Anzahl von Ausbildungsplätzen, sind nach einem Beschluss des
Bundesverfassungsgerichts die Arbeitgeber verantwortlich.
Leider
musste Ihre Jugendkonferenz feststellen, dass wir von der Bereitstellung genügender
Ausbildungsplätze noch ein ganzes Stück weit entfernt sind. Lösungen wurden
ebenfalls keine gefunden. Umso bedauerlicher ist Ihr Verzicht auf das praktische
Fachwissen der Arbeitnehmervertreter der Betriebe, der wohl politisch motiviert
ist.
Wir
Arbeitnehmervertreter/innen sind jedoch optimistisch nach vorne orientiert und
hoffen, dass Sie zukünftig weniger einseitig einladen. Die
Ausbildungsplatzsuchenden hätten wohl nichts dagegen. Wir
als Interessensvertreter der Arbeitnehmer sind zu einem Dialog bereit.
Mit
freundlichen Grüßen
Sabine
Schmidt
Vorsitzende
DGB- Kreisverband Haßberge
zurück
|