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Ernst: "Tröster ist ein Erpresser"

 

Die jetzt offiziell gewordene Übernahme des Takata-Petri Werkes in Albertshausen durch den neuen Investor TSK Tröster GmbH & Co.KG lässt die IG Metall als zuständige Gewerkschaft und Tarifvertragspartei „Schlimmstes für die Leute“ befürchten, so Klaus Ernst, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall in einer ersten Reaktion. „Wer wie Tröster den Beschäftigten schon vor der Übernahme massive Lohneinbußen abpresst, ist für mich kein seriöser Geschäftsmann, sondern ein Erpresser, der sich um geltendes Recht offensichtlich einen Dreck schert und die Notlage der Menschen in einer strukturschwachen Region schamlos ausnutzen will“, so Ernst weiter.

 

Den Zorn der IG Metall erregt vor allem die Absicht Trösters, unmittelbar nach Übernahme des Werkes, nicht mehr die Metall- Tarife zahlen zu wollen, sondern die Beschäftigten in etwa nach dem Niveau der Chemie-Industrie zu entlohnen, das hieße Verluste in der Größenordnung von 15% zu akzeptieren. Das Bürgerliche Gesetzbuch sieht im § 613a aber ausdrücklich vor, dass Beschäftigte, die - wie im Falle von Takata-Petri - durch eine Betriebsübernahme einen neuen Eigentümer erhalten, zunächst für ein Jahr keine Verschlechterungen hinnehmen müssen. „Was Tröster jetzt versucht, ist mit ganz miesen Mitteln geltendes Recht zu umgehen. „Der will den § 613a einfach aushebeln. Das ist eine riesen Sauerei. Das habe ich in meiner Tätigkeit als Gewerkschafter noch nicht erlebt“, so ein sichtlich aufgebrachter Klaus Ernst von der IG Metall.

 

Ernst stellt sich nicht kategorisch gegen einen Eigentümerwechsel bei Takata-Petri. Wenn sich die Situation für die Beschäftigten dadurch stabilisieren ließe, könne natürlich auch über einen Haustarifvertrag gesprochen werden. Aber eben erst nach einer vollzogenen Übernahme und in aller Ruhe und ohne Erpressungsversuche. Ein „seriöser Käufer“ würde sich nach Ansicht der IG Metall jedenfalls anders präsentieren. Ernst verweist in diesem Zusammenhang noch auf ein Telefonat, das er vor wenigen Tagen noch mit Herrn Tröster geführt habe, und in dessen Verlauf dieser (Tröster) dem Bevollmächtigten der IG Metall signalisierte, dass es „wohl eher nicht mehr zu einem Kauf kommen werde“. „Der lügt anscheinend schon, wenn er den Mund aufmacht“, so Ernst zu dieser Aussage.

 

Fragwürdig sei bei dieser vorliegenden Betriebsübernahme aber nach Ansicht der Gewerkschaft auch die Rolle eines Teiles des Betriebsrates in Albertshausen. Da hätten sich einige offensichtlich von Tröster blenden und einwickeln lassen. „Vor wenigen Wochen haben wir noch einen Streit um 5% Schichtzulagen ausgefochten, die wir im Zusammenhang mit einer Beschäftigungssicherung beim bisherigen Eigentümer in die Wagschale werfen wollten. Für diesen vergleichsweise geringen Verlust hätte es eine konkrete Beschäftigungsgarantie für alle gegeben. Die gleichen Personen, die jetzt 15% Minus für alle - ohne Gegenleistung - schlucken wollen, haben uns damals verteufelt“, so Ernst.

 

Die IG Metall hatte ihre Mitglieder in den vergangenen Tagen nochmals ausdrücklich vor diesem jetzt anscheinend doch Realität werdenden Szenario gewarnt. Einseitige Verzichtserklärungen, die den Beschäftigten schon im Vorfeld abverlangt würden, könnten später nicht mehr als Verhandlungsmasse gesehen werden. In dieser Situation sei einigen Interessensvertretern der Wille zum aufrechten Gang und zur Durchsetzung und Verteidigung der legitimen Rechte abhanden gekommen. Das ist nach Ansicht der Gewerkschaft nicht nur bedauerlich, sondern für die Mehrzahl der von den Entscheidungen betroffenen Beschäftigten auch nachteilig, weil Leistungen, auf die einmal ohne Gegenleistung verzichtet wurde, beim Arbeitgeber nur die Lust auf mehr weckten und sich so die Situation der Belegschaft stetig verschlechtere. Die IG Metall habe jedenfalls konsequent informiert und die Betriebsräte während des gesamten Prozesses beraten.

 

Zum jetzt neuen Eigentümer Tröster habe es die ganze Zeit „mehr Gerüchte - als Fakten“ gegeben, so die IG Metall. „Alles, was in unserem Umfeld und in unserer Region mit Geschäftsideen von Herrn Tröster zu tun hat, ist vor allem durch große Ankündigungen und sehr unkonventionelle Auftritte geprägt“, so die IG Metall. Grundsätzlich werde man die Interessen der Mitglieder im Betrieb weiter vertreten und auch mit einem neuen Eigentümer über Kompromisse und Lösungen im Interesse der Menschen streiten.

Man habe Verständnis dafür, dass Beschäftigte, die sich beim Verlust des Arbeitsplatzes von Hartz IV und Alg II bedroht sähen, erpressen ließen. Gerade deshalb sei das Vorgehen Trösters schäbig. „Der nimmt den Leuten nicht nur Geld, sondern auch noch ihre Würde“. Deshalb seien Gespräche und Verhandlungen mit einem solchen „Blutsauger“ schon verdammt schwer, gibt Klaus Ernst noch zu bedenken.

 

Quelle: IG-Metall Schweinfurt

 

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