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Neonazis
drohen mit Gewalt
In
einschlägig bekannten rechtsextremen Internetforen mobilisieren Neonazis dazu,
antifaschistische Informationsveranstaltungen zu „besuchen“. Ein Dorn im
Auge ist ihnen der diesjährig sehr breit angelegte antifaschistische Widerstand
und die zahlreich stattfindenden Informationsveranstaltungen gegen die
Verherrlichung des ehemaligen Hitler Stellvertreters Rudolf Hess, der im fränkischen
Wunsiedel begraben liegt. Am 21. August 2004 marschierten hier etwa 4500 Alt-
und Neonazis. Der Hess-Gedenkmarsch hat sich zu einem der wenigen jährlichen
Veranstaltungen der deutschen und internationalen Naziszene entwickelt, die als
Schnittstelle für verschiedene Generationen und Spektren der extremen Rechten
dient.
„Wir
verfolgen die Vorgänge in den Internetforen der Nazis aus eigenen Sicherheitsgründen“,
so Korinna Pflug von der Kampagne NS-Verherrlichung Stoppen! „Zwei unserer
Veranstaltungen, in Kassel und Bensheim, wurden bereits von Neonazis
‚besucht’, wenn auch nicht mit Erfolg“.
Mitglieder
der Kampagne vermerkten eine aggressivere Haltung von Neonazis auf ihren
Internetplattformen als im letzten Jahr, sowohl den diesjährigen Naziaufmarsch
am 20. August betreffend, als auch im Vorfeld, „dazu gehören die Versuche,
unsere Veranstaltungen zu stören und Kampagnenmitglieder zu bedrohen.“ erklärt
Pflug weiter. Darüber hinaus wird in den Internetforen der extremen Rechten befürchtet,
dass der „Hess-Gedenkmarsch“ in „die Hose gehen“ könnte, angesichts des
breiten Widerstands dagegen. Einige extreme Rechte kündigten an, so Pflug,
„dass sie dieses Jahr ‚nicht nur trauern’ wollten.“ Als nächstes will
das rechtsextreme, sogenannte Aktionsbüro West in Köln und Leverkusen,
zeitgleich zu antifaschistischen Informationsveranstaltungen,
„Demonstrationen“ durchführen. Korinna Pflug wertet solche Aktionen und
Aussagen „als Indiz für eine steigende Gewaltbereitschaft der Nazis beim
diesjährigen Rudolf-Hess-Gedenkmarsch“.
Am
4. Juli 2005 hat das Landratsamt Wunsiedel den diesjährigen
„Hess-Gedenkmarsch“ verboten. Ob es bei dieser Rechtslage bis zum 20. August
diesen Jahres bleiben wird, ist bisher noch ungeklärt. Bisher mobilisiert
weiterhin eine Vielzahl neonazistischer Gruppen in die fränkische Kleinstadt.
Die
Kampagne NS-Verherrlichung Stoppen! ruft dieses Jahr vor allem vor dem
Hintergrund des 60sten Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus, dazu
auf, sich an den Protestaktionen gegen den Nazi-Aufmarsch am 20. August in
Wunsiedel zu beteiligen. „Wir müssen zeigen, dass hier und überall kein
Platz ist für die Verherrlichung des Nationalsozialismus. Wir werden öffentlich
deutlich machen, dass Rudolf Hess kein Märtyrer oder Held war, sondern ein
verurteilter Nazi-Kriegsverbrecher und dass wir alle zusammen gegen eine solche
Verdrehung der Geschichte erfolgreich Widerstand leisten können.“, erklärt
die Pressesprecherin Korinna Pflug.
Quelle:
Martin Maasbach, Korinna Pflug, nah
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