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Lidl
geht gegen Kollegen in Oberfranken vor
Lidl
fährt die extrem harte Linie: Mit Kündigung, Filialschließung und
Ausgliederung aus dem Unternehmen geht der Konzern gegen Verkäufer/innen in
Calw (Baden-Württemberg), Forchheim und Bamberg (Bayern) vor, die sich bei
Streiks und der Wahl von Betriebsräten für ihre Rechte, ihre Tarifverträge
und bessere Arbeitsbedingungen in den Filialen einsetzen. In München wurde Ende
Juli die Wahl eines Betriebsrates von LiDL verhindert, die Initiatorin fristlos
gekündigt. Mitbestimmung und Betriebsräte wurden bislang vom Konzern
systematisch verhindert. Jetzt soll der Total-Ausverkauf von Grundrechten bei
Lidl stattfinden. In Baden-Württemberg und Bayern solidarisieren sich bereits
zahlreiche Kunden ! Sie fordern von LiDL den Erhalt der Filiale und Rücknahme
von Ausgliederung und Kündigung in Unterschriftenlisten und Protestkarten.
Kein
anderes europäisches Handelsunternehmen expandiert so aggressiv: Die Schwarz
Gruppe des Dieter Schwarz mit Sitz in Neckarsulm, Baden-Württemberg (Kaufland,
Kaufmarkt, Handelshof, LiDL) betreibt über 6000 Filialen in 20 europäischen Ländern.
Mit einer Zuwachsrate von 44 % in den letzten drei Jahren auf 36 Mrd. Euro
Umsatz (LZ 10.06.05) schlägt der Konzern mit insgesamt rund 166 000 Beschäftigten
auf Kosten von Beschäftigten und vieler anderer alle Konkurrenten aus dem Feld.
Der Erfolg ist rasant: im Ranking der deutschen Top Unternehmen steht der
Konzern mit Rekordergebnissen bereits auf Platz 14 (SZ 22.07.05).
Expansionsmotor ist die Billig-Kette LiDL.
„Immer
Billig“ geht vor allem auf Kosten der Beschäftigten in Verkauf und
Produktion, aber auch zu Lasten von sozialen Standards. Im Schwarz Buch Lidl hat
ver.di die unhaltbaren Arbeitsbedingungen beschrieben, die den Erfolg der
Billig-Kette erst möglich machen. Betriebsräte, die Arbeitnehmerschutz und
Tarifansprüche durchsetzen, wurden bislang systematisch verhindert. Entwürdigende
Kontrollen und ein System der Angst, in dem Einschüchterung durch Führungskräfte
auf der Tagesordnung stehen, sollen dazu beitragen, dass Beschäftigte sich
nicht zur Wehr setzen. Betroffen sind vor allem Frauen, die meisten arbeiten in
Teilzeit- oder Minijobs. Viele der Lidl-Verkäufer/innen arbeiten gerne im
Handel und mit Kunden. In manchen Filialen gibt es gute Teams – Betriebsräte
und echte Mitbestimmung gibt es allerdings noch nicht.
In
den bundesweit über 2 600 LiDL-Filialen bestehen derzeit lediglich 8 (!)
Betriebsräte. Nach wie vor arbeiten damit über 40 000 Lidl-Beschäftigte ohne
die gesetzlich vorgesehene Arbeitnehmervertretung. Deshalb fehlen auch
Vertretungen für Jugendliche und Auszubildende sowie für Schwerbehinderte im
Betrieb. Ende Juli wurde in München ein weiterer Wahlversuch von Lidl
verhindert und der Initiatorin fristlos gekündigt. Die Bildung von Betriebsräten
hat der verschwiegene Konzern auch durch ein unübersehbares Geflecht mit über
600 verschiedenen Unternehmensgruppen und kurzfristigen Umfirmierungen
verhindert. Jetzt werden die wenigen bestehenden Filialbelegschaften mit
Betriebsrat wegen ihrer Beteiligung an Warnstreiks für bessere Tarife und ihres
Einsatzes für bessere Arbeitsbedingungen in den Filialen mit Ausgliederung,
Schließung und Kündigung bestraft.
LiDL
- Kampagne
Menschenwürdige
Arbeitsbedingungen, Durchsetzung von Arbeits- und Gesundheitsschutz, Berücksichtigung
von besonderen Belangen der Frauen bei Lidl sowie Mitbestimmung und
demokratische Teilhabe im Arbeitsleben sind Ziele der ver.di-Kampagne. Sie zeigt
in der Öffentlichkeit und in den Filialen Wirkung: Eine breite Öffentlichkeit
ist auf Missstände aufmerksam geworden, Kunden zeigen echtes Interesse an den
Arbeitsbedingungen der Verkäufer/innen. In den Filialen treten Vorgesetzte
erstmalig weniger aggressiv auf, Arbeitszeiten werden korrekter erfasst, der
Druck z.B. gegen ältere Kolleg/innen ist vielerorts weniger hart, es kommt
weniger häufig zu Aufhebungsverträgen. Trotzdem gehören extremer
Leistungsdruck und entwürdigende Vorgänge zum Arbeitsalltag der Beschäftigten.
Um die Bedingungen nachhaltig und für alle Betroffenen verbessern zu können, müssen
die Beschäftigten selbst Betriebsräte in den Filialen bilden. Dafür werben
ver.di-Aktive und Unterstützer/innen aus sozialen Gruppierungen in Gesprächen
mit Lidl-Verkäufer/innen in gezielten Filial-Besuchen, beim Einkauf, aber auch
bei Gesprächen mit Verwandten und Bekannten von Lidl-Verkäufer/innen.
Erhalt
der LiDL - Filialen mit Betriebsrat
Wir
setzen uns für den Erhalt der Filialen mit ihrer Belegschaft und dem
Betriebsrat ein. Die wegen der Betriebsratswahl gekündigte Beschäftigte muss
ihren Arbeitsplatz zurückerhalten. ver.di unterstützt die von Kündigung,
Schließung und Ausgliederung betroffenen Arbeitnehmer/innen natürlich sowohl
finanziell als auch arbeitsrechtlich gegenüber LiDL. Diesem Angriff von LiDL
und der gewollten Einschüchterung aller anderen Verkäufer/innen setzen wir
breite Solidarität entgegen. Im Augenblick benötigen vor allem die
Filialbelegschaften in Calw, Forchheim, Bamberg und die Betroffenen in München
Unterstützung. In München gibt es bereits prominente Solidarität: Oberbürgermeister
Ude, Vertreter/innen aus Politik, aus Kirchen, Frauenorganisationen, weiteren
gesellschaftlichen Gruppen wie ATTAC und Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur
stehen an der Seite der Kolleg/innen. Unterstützer/innen aus verschiedenen
Gruppen planen, ein Solidaritätskonto für die Betroffene einzurichten. Unterstützung
kommt auch von Beschäftigten aus anderen Filialen und Handelsunternehmen,
Betriebs- und Personalräten in ver.di und anderen Gewerkschaften.
Konflikt
bei LiDL: es geht um mehr!
Es
geht hier um mehr: Radikal sollen bei LiDL Grundrechte und Mitbestimmung von
Arbeitnehmer/innen ausgeschaltet werden. Dabei schreckt der erfolgreiche Konzern
nicht vor klarer Behinderung von Betriebsratswahlen und Bestrafung von Beschäftigten
wegen Streik zurück. Vor zehn Jahren hatte bereits einer der Lidl-Finanziers,
der Drogerie-König Anton Schlecker versucht, sein Imperium betriebsrats- und
gewerkschaftsfrei zu halten. Die Verkäufer/innen konnten sich damals mit ihrer
Gewerkschaft durchsetzen und haben eine bundesweite Tarifregelung zur Wahl von
Betriebsräten erzwungen. Heute müssen wir erneut Kräfte bündeln. Neoliberale
Kräfte wollen in Deutschland „LiDL pur“ durchsetzen: Abschaffung und
Entmachtung von Betriebsräten, Aushebeln von Tarifen und Möglichkeiten für
Arbeitnehmer/innen, sich für Tarifverträge einzusetzen, Verschlechterung und
Abschaffung von Kündigungsschutz und weiteren Rechten sind Forderungen in der
aktuellen politischen Diskussion, mit denen wir uns konfrontiert sehen.
Quelle:
Holger Grünwedel
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