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Folgen
durch Elektrosmog müssen untersucht werden
Gesundheitliche
Beeinträchtigung: Die Ärzte-Initiative Bamberger
Appell fordert die Verbannung von Mobilfunkantennen aus
Wohngebieten. Ein Gespräch mit Dr. Cornelia
Waldmann-Selsam, der Mitinitiatorin
des Bamberger Ärzteappells. Interview: Peter Wolter
F: Sie organisieren am Wochenende ein internationales
Symposium in Bamberg über Gesundheitsgefährdungen
durch den Mobilfunk. Bisher hieß es doch immer,
Mobilfunk sei ungefährlich.
Wir haben in den letzten Monaten in ganz Oberfranken
Menschen befragt und untersucht, die im Umfeld von
Mobilfunkstationen leben. Dabei und bei Messungen mußten
wir zu unserer Erschütterung feststellen, daß viele
dieser Menschen erhebliche Beschwerden haben und zum
Teil schwer krank sind.
F: Was hat Sie zu der Studie motiviert?
Die Initiative Bamberger Appell wurde im vergangenen
Sommer gegründet, nachdem Pläne bekannt wurden, in
Bamberg, wie in anderen Städten auch, in Wohngebieten
zahlreiche neue Mobilfunkantennen aufzustellen.
Daraufhin haben die Anwohner bei ihren Hausärzten um
Rat gefragt und um Hilfe gebeten. Mehrere Ärzte haben
sich daraufhin mit den potentiellen Gefahren durch
Elektrosmog intensiver befaßt. Aufgrund unserer jüngsten
Erkenntnisse plädieren wir dringend dafür, von einem
weiteren Ausbau des Mobilfunknetzes abzusehen, weil
zuwenig über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen
bekannt ist. Ein weiterer Ausbau ist auch nicht
notwendig, weil es ein flächendeckendes Netz bereits
gibt.
F: Welche Folgen könnten durch Elektrosmog
auftreten?
Menschen, die nahe solcher Antennen wohnen, leiden
vermehrt unter Tinnitus, häufigen Infekten oder
Herz-Rhythmus-Störungen. Oft können sie nachts nicht
schlafen, haben Kopfschmerzen, die Kinder haben
Konzentrationsschwierigkeiten. Das alles ist noch
unerforscht, stellt sich aber als ein neues
Krankheitsbild für uns Ärzte dar. Mittlerweile haben
wir in Zusammenarbeit mit Technikern Messungen in fast
400 Häusern durchgeführt. Dabei haben wir
festgestellt, daß sich schon bei 50 Mikrowatt pro
Quadratmeter gesundheitliche Störungen einstellen. Der
gesetzliche Grenzwert liegt derzeit bei 4,5 bis zehn
Mikrowatt pro Quadratmeter.
F: Aber richtig aussagekräftig wird eine solche
Messung doch erst, wenn man Vergleichswerte von
Haushalten hat, die nicht nahe Funkantennen liegen.
Solche Vergleichsmessungen haben wir auch durchgeführt,
und sie haben unsere Befürchtungen über negative
gesundheitliche Auswirkungen bestätigt. Dort, wo keine
Strahlung meßbar war, hatten die Leuten auch keine der
typischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Der
Verdacht auf eine negative Wirkung des Elektrosmog erhärtet
sich auch durch eine weitere Beobachtung: Wenn Menschen
mit den typischen Beschwerden sich eine Weile nicht zu
Hause aufhalten, verschwinden die Symptome in der Regel.
Für uns ist das ein starkes Indiz für den räumlichen
Zusammenhang.
F: Es gibt Parallelen zur Häufung von Leukämiefällen
in der Umgebung von Atomanlagen im
schleswig-holsteinischen Geesthacht. Die dortige
Landesregierung hat sämtliche Untersuchungsergebnisse
zurückgewiesen. Was fordern Sie von der Politik?
Wir drängen darauf, daß an diesen Standorten gezielt
der Gesundheitszustand der Menschen untersucht wird. In
Anbetracht der eindeutigen Hinweise ist es völlig
unverständlich, daß dies noch nicht geschehen ist. Es
gibt zahlreiche Studien, die unsere Beobachtungen
untermauern. In Deutschland aber bleiben die Behörden
weitgehend untätig.
F: Von wem sind vergleichbare Studien erstellt
worden?
Schon vor Jahren haben Ärzte des Freiburger Appells das
Phänomen Elektrosmog untersucht. Wir haben zu den
Kolleginnen und Kollegen Kontakt aufgenommen. Sie hatten
ähnliche Beobachtungen gemacht wie wir und diese auch
immer den zuständigen Ministerien gemeldet. Geschehen
ist aber auch in diesem Fall nichts.
F: Wenn sich Ihr Verdacht bestätigen würde, dann wären
ganze Industriezweige betroffen. Könnte das nicht ein
Grund für die Zurückhaltung sein?
Wir würden diesen Verdacht nicht aussprechen, wenn er
sich nicht aufdrängen würde. Die untersuchenden Ärzte
halten schließlich auch eine Zunahme von Tumoren für möglich.
Entsprechende Beobachtungen gibt es schon jetzt. Aus
einigen Teilen Oberfrankens erreichen uns alarmierende
Hinweise von Medizinern, denen eine Häufung von
unterschiedlichsten Tumoren im Umfeld von
Mobilfunkanlagen auffällt.
F: Wie kann man sich schützen?
Auf dem Kongreß werden wir eine Resolutionsentwurf
vorlegen, in dem gefordert wird, daß diese
Mobilfunk-antennen aus Gebieten, in denen Menschen
wohnen, arbeiten und sich dauerhaft aufhalten, wieder
entfernt werden. Das ist die einzig akzeptable Schlußfolgerung.
Quelle:
Mit freundlicher Genehmigung der Jungen Welt

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