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Gewerkschaftsjugend
gegen niedrigere Ausbildungsvergütungen
In
§ 17 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) heißt es:
“Der Ausbildende hat dem Auszubildenden eine
angemessene Vergütung zu gewähren. Sie ist nach dem
Lebensalter des Auszubildenden so zu bemessen, dass sie
mit fortschreitender Berufsausbildung, mindestens jährlich
ansteigt“. Das dies nicht frei Schnauze geschehen
kann, dafür gibt es Tarifverträge, auch wenn es einige
nicht wahrhaben wollen. So
stößt der Vorschlag von Ludwig Georg Braun, die
Ausbildungsvergütung einheitlich auf 270 € zu senken,
bei der DGB Jugend auf Ablehnung. Noch
dreister hat es der Wirtschaftsprofessor Eekhoff schon
vor einem Jahr formuliert. In der Netzzeitung am 11. März
2004 äußerte er sich so: „Lehrlingen sollte seiner
Ansicht nach eine geringe Vergütung gezahlt werden,
damit sich die Ausbildung für Unternehmen wieder lohnt.
Es sei nicht vernünftig, dass Auszubildende soviel Geld
bekommen, das sie davon leben können. Stattdessen seien
mit Abstand die meisten Eltern in der Lage, etwas zur
Ausbildung dazuzugeben.“
Nach
der geplanten Einführung der Studiengebühren, jetzt
auch wieder zurück ins Mittelalter und zur Einführung
von Lehrgeld?„Auszubildende
sind heute junge Erwachsene und brauchen eine
angemessene Ausbildungsvergütung. Nach dem
Berufsbildungsbericht der Bundesregierung lag 1970 das
durchschnittliche Alter der Auszubildenden bei 16
Jahren. Heute liegt es bei 19 Jahren. Somit sind
Auszubildende zu Beginn Ihrer Ausbildung immer älter
und haben damit auch andere Ansprüche“, so Sascha Spörl,
DGB-Jugendsekretär für Nordbayern. Als
Beispiel nannte Spörl den Führerschein. Wurde er früher
vom ersten Facharbeiterlohn bezahlt, so muss heute die
Ausbildungsvergütung herhalten. In
den Betrieben wird von den Jugendlichen verlangt,
Verantwortung zu übernehmen. Dies kann aber nur
geschehen, wenn Sie auch in der Lage sind, im privaten
Verantwortung zu übernehmen und das fängt meist mit
Selbstständigkeit an. Für die DGB-Jugend heißt das,
Auszubildende benötigen ein Einkommen zum Auskommen,
unabhängig von Dritten. Ein
weiteres Beispiel soll zeigen, wie kostspielig es sein,
selbstständig leben zu wollen oder zu müssen. Bei
einer Nettokaltmiete von 4,30€ pro qm kommt eine 30qm
Wohnung in Schweinfurt auf 129€ Kaltmiete. Dazu kommt
noch die Hausrat- und Haftpflichtversicherung, die Heiz-
und Stromkosten, sowie eine Monatskarte für die öffentlichen
Verkehrsmittel (50,60€) und für´s Alter soll man
sich ja auch noch absichern. Dann wird´s aber ganz schön
eng werden bei vorgeschlagenen 270€ monatlicher
Ausbildungsvergütung. Und das Beispiel ist „nur“
Schweinfurt. In München sieht´s dagegen ganz anders
aus. Dort würde bereits die Kaltmiete für die 30qm
Wohnung die 270€ auffressen, da dort der qm mit 10€
zu buche schlägt. Aber gerade auf dem flachen Land gibt
es immer weniger Lehrstellen, also bleibt den
Jugendlichen gar nichts anderes übrig als ein eigenständiges
Leben zu führen, weg von Eltern und Freunden, hinein in
die Städte. Die Ausbildungsvergütung muss dann zum
selbstständigen Leben Ausreichen.
„Auch
die Betriebe haben einen großen nutzen an den
Auszubildenden, den sie honorieren müssen. So
verbringen die Azubis das erste Lehrjahr häufig in der
Lehrwerkstatt um die Grundkenntnisse zu erlangen. Danach
sind sie meist in der Produktion beschäftigt, um
Erfahrungen zu sammeln. Im letzten Lehrjahr werden sie
dann in der Regel in den Abteilungen angelernt, in denen
sie nach der Ausbildung eingesetzt werden sollen. Somit
produzieren sie spätestens im letzten Lehrjahr für den
Betrieb. Bei Arzthelferinnen zum Beispiel oder kleineren
Industrie- und handwerksbetrieben sieht es ganz anders
aus. Da es in den meisten Fällen dort keine
Lehrwerkstatt gibt, sind die Auszubildenden direkt in
der „Produktion“ und das von Anfang an“, erklärt
Spörl. Wie viel sie
letztendlich produzieren, liegt immer auch an der Qualität
der Ausbildung. Das KWB (Kuratorium der Deutschen
Wirtschaft für Berufsbildung) hat in dem Flyer „Warum
sich Ausbildung für Betriebe lohnt…“ veröffentlicht,
dass Auszubildende nach der Ausbildung im Betrieb
einsetzbar sein sollen. Deshalb müssen sie durch Lernen
am Arbeitsplatz Berufserfahrung erwerben. Dabei sind
Auszubildende so produktiv, das sie im Schnitt 7730€
je Auszubildender/Jahr erwirtschaften. Auch das KWB
kommt zu dem Ergebnis, das es alles in allem Kostengünstiger
ist, selber auszubilden, als Fachkräfte vom
Arbeitsmarkt zu beschaffen.
Die
DGB-Jugend fordert deshalb: Schaffung von mehr
qualitativen Ausbildungsplätzen durch die Wirtschaft
und Finger weg von der Absenkung von Ausbildungsvergütungen
oder der Aufteilung einer Ausbildungsvergütung für
zwei Auszubildende! Getreu
dem alten Sprichwort, „was Du nicht willst, das man
Dir tut, das füg auch keinem anderen zu“, sollte sich
Ludwig Georg Braun und auch Prof. Eekhoff überlegen,
mit gutem Vorbild voranzugehen und ihre Gehälter
halbieren oder kürzen zu lassen, um damit die Möglichkeit
zu schaffen, einen oder mehrere Arbeitssuchende mehr
einzustellen zu können. „Das wäre von Beiden vernünftiger,
als bei den Auszubildenden zu streichen“, so die DGB
Jugend Schweinfurt.
Quelle:
DGB-Jugend Schweinfurt
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