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Wechsel an der Spitze der DGB-Region
Oberfranken-West
Vor historischer Kulisse,
dem Spiegelsaal der Harmonie in Bamberg fand die
Regionskonferenz des DGB-Bezirks Oberfranken-West statt.
Dort wo 90 Jahre zuvor Geschichte geschrieben wurde, und
die erste demokratische Verfassung Bayerns entstanden
ist, fanden sich rund 50 Delegierte aus dem westlichen
Oberfranken ein, um zum einen ihren langjährigen
Vorsitzenden Werner Schnabel gebührend in den Ruhestand
zu verabschieden, und um zum anderen mit Matthias
Eckhardt seinen Nachfolger zu wählen.
Gleich auf den Punkt kam denn auch der Bamberger
Oberbürgermeister Andreas Starke, als er in seinem
einleitendem Grußwort von der Rolle des Tagungsortes in
der Krisenzeit nach dem ersten Weltkrieg zur aktuellen
Finanz- und Wirtschaftskrise wechselte. „Kein einziger
Cent vom größten Arbeitgeber Bambergs, der Firma Bosch“
und insgesamt 15 Millionen Euro weniger an
Gewerbesteuern werden seiner Stadtverwaltung nicht nur
in diesem Jahr fehlen. Sparen, Sparen und nochmals
Sparen sei angesagt, und mit deutlichen Worten stimmte
er die Delegierten auf schlimme Zeiten ein. Wie ein
roter Faden zog sich die aktuelle Krise in den
Stellungnahmen der Redner, so auch bei Heide Langguth,
der stv. Landesvorsitzenden des DGB Bayern.
Unverständlich sei ihr wie die Verursacher der Krise,
die Neoliberalen Heilsprediger die vergangen
Bundestagswahlen gewinnen konnten. Unverständlich aber
auch das die größte Gruppierung dabei die der
Nichtwähler war und diese durch die zunehmende soziale
Desorientierung wohl noch stärker werden. Überstunden
ohne Ende, Lohndumping, der drohende soziale Abstieg,
usw. bergen einen politisch-sozialen Sprengstoff. Die
Reaktion der Bundesregierung allerdings ist wegschauen,
weder wird das Eigenkapital der Banken gestärkt, noch
Hedgefonds eingeschränkt, „nur die Liegestühle auf dem
Deck der Titanic wurden umgestellt.“
In seinem Rechenschaftsbericht resümierte Werner
Schnabel nicht nur die vergangene Wahlperiode, sondern
die gesamten 30 Jahre, die er als Hauptamtlicher in
Diensten der Gewerkschaft stand. Von zahlreiche
Aktionen, Veranstaltungen, Tarifauseinandersetzungen und
Arbeit mit Bündnispartnern konnte er Berichten. So ist
die DGB-Region z. b. eine der tragenden Säulen der
Bamberger Bündnis gegen Rechts, oder auch der Allianz
für den freien Sonntag, und versprach auch im Ruhestand
seine diesbezügliche Arbeit fortzusetzen. Aber auch mit
Selbstkritik sparte er nicht. Im DGB und seinen
Einzelgewerkschaften jagt eine Strukturreform die
andere, aber weder an Mitgliedern, noch Finanziell oder
Politisch konnte in den letzten Jahren ein Gewinn
erzielt werden. Die Branchenvielfalt innerhalb der
Einzelgewerkschaften ist kaum mehr zu überblicken, und
die Rolle des DGB als Dachverband wird zunehmend
geschwächt, und der Gedanke der Einheitsgewerkschaft
vernachlässigt.
Der lokale Arbeitsmarkt steht in Bamberg erstmals seit
langer Zeit relativ gut da. Mit einer Arbeitslosenquote
von 4,2% liegt man im Gegensatz zu Coburg (5,5%) unter
dem bayrischen durchschnitt. Doch so Schnabel weiter,
hinter der Kulisse der veröffentlichten Zahlen sieht die
Welt ganz anders aus. Um 41% in Bamberg, und sogar um
47% in Coburg stieg in diesem Jahr die Zahl der
Arbeitlosen in der Altersgruppe zwischen 21 und 25
Jahren. Also genau in der Generation die nach der
Ausbildung nicht übernommen wurde, und wenn doch, dann
nur befristete Verträge bekommt, und somit am Beginn der
Krise zu erst Entlassen wurde.
In der anschließenden Diskussion zum
Rechenschaftsbericht musste sich vor allem der
Fränkische Tag massive Kritik gefallen lassen, welcher
im Gegensatz zu den Nürnberger Nachrichten keinen
Reporter zur DGB-Tagung entsandte. Selbst bei
Jubilarehrungen ist es inzwischen nicht mehr
Selbstverständlich dass man in der „Bamberger
Monopolzeitung“ als Gewerkschaft Erwähnung findet,
geschweige denn von politischen Aktionen und
Arbeitskämpfen. IG Metall Bevollmächtigter Gottfried
Schneider sprach der Zeitung die unabhängige
Berichterstattung ab und brachte Abo-Abbestellungen ins
Gespräch. Allerdings wurden Zweifel laut, ob angesichts
horrender Anzeigenaufträge von Unternehmerverbänden und
Discountern dem FT die 46.000 Gewerkschaftsmitglieder im
Raum Bamberg wichtig genug sind um sie als Leser
dauerhaft an sich binden zu wollen.
Im Wahlgang um die Nachfolge Werner Schnabels als
DGB-Regionsvorsitzender in Oberfranken-West setzte sich
der Coburger Eisenbahner und Transnet-Gewerkschafter
Matthias Eckardt deutlich gegen die Kronacher
IGMetall-Kollegin Jutta Wirth durch. Der 45 Jahre alte
Diplom-Kaufmann wird die nächsten vier Jahre dem
insgesamt 13-köpfigen Führungsgremium vorstehen.
Quelle: jkr
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