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Gläserne Erwerbstätige auch in Main-Rhön?

 

Durch die bundesweit signifikant zunehmende Zahl von Bluttests in Großbetrieben sollte auch in der Region Main-Rhön besonderes Augenmerk auf diese Problematik gerichtet werden. Die in den letzten Jahren an Häufigkeit und Komplexität zunehmenden Bluttests sind ein Merkmal der Kontrollwut einiger Unternehmen, zugleich aber auch Spiegelbild des Überwachungswahns im öffentlichen Raum. Für einen Personalchef gab und gibt es mannigfaltige Möglichkeiten herauszufinden, ob ein Bewerber für eine Stelle geeignet ist. Dafür stehen der Lebenslauf, die Zeugnisse des Kandidaten zur Verfügung. Das scheint aber so manchem Personaler nicht mehr auszureichen.

 

Stattdessen werden Bluttests herangezogen, die Rückschlüsse auf alte oder aktuelle Krankheitsbilder ermöglichen. Ob diese medizinischen Untersuchungen überhaupt legal sind, ist unter Arbeitsrechtlern heftig umstritten. Da werden tiefe Einblicke genommen. Es wird das Blutbild auf Blutfette, Blutzucker, Blutgase, Tumormarker, usw. untersucht. Die Analyse des Erbgutes scheint ebenfalls schon gängige Praxis zu sein. Aufschlussreich ist auch eine chemisch-toxikologische Untersuchung, mit deren Hilfe alle Arten von Drogen und Medikamenten festgestellt werden können. Da werden Hinweise auf bakterielle Erreger oder gar Antikörper herausgefiltert.

 

Dass Großkonzerne offenbar routinemäßig Urinproben sammeln oder angehenden Mitarbeitern Blutproben abzapfen, sollte Betriebsräte wie Datenschützer mit Entsetzen erfüllen. „Ich halte es für rechtswidrig und unzulässig, alle auf alles zu testen“, sagt Rainer Rehwald, Arbeitsrechtler im Funktionsbereich Sozialpolitik beim Vorstand der IG Metall: „Der Weg zum gläsernen Arbeitnehmer ist nicht weit.“ Das Vorgehen der massenhaften Untersuchung auf Restalkohol und Drogen steht im krassen Widerspruch zu abgeschlossenen Betriebsvereinbarungen, wonach so genannte Suchtmitteltests verboten sind.

 

Wenn das nur alle Interessenvertreter so sähen. So erregte der Daimler-Gesamtbetriebsrat mit einer 2004 beschlossenen Betriebsvereinbarung und folgenden Kommentaren, „So könne aussichtsreichen Kandidaten mitgeteilt werden, ob sie für einen Job gesundheitlich geeignet sind“, „Die Tests sind immer freiwillig!“, Aufsehen. Na, wenn da mal der Wunsch nicht Vater des Gedanken ist! Also wird auch zukünftig präventiv auf Cholesterin und Diabetes untersucht. In einer Zeit, in der aber auch präventiv Kriege geführt werden, erscheint das gar nicht mehr zu abwegig. Es bleibt zu hoffen, dass die Interessenvertreter ihre Aufmerksamkeit für diese sensible Thematik schärfen und immer wieder ihren Finger in diese offene Wunde legen.
 

Quelle: ane

 

 

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