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Geschichte in Geschichten - Gisela
Karau in Haßfurt
Am Donnerstagabend
(19.11.2009) war Gisela Karau während einer Lesung beim
Linken Bündnis zu Gast. Die Berliner Schriftstellerin
brachte eine aktuelle Zusammenstellung politischer
Aufsätze mit: „Klartexte - Beiträge zur
Geschichtsdebatte“, lautet der Titel. Dreißig Gäste
konnte Linksbündnisvorstand Norbert Zirnsak in Haßfurt
begrüßen und freute sich über die Resonanz. „Einige
Zuhörer sind heute Abend hier, die Frau Karau
gewissermaßen beim Erwachsenwerden begleitet hat“, sagte
er. Zirnsak tat dies in Anspielung auf Kinder- und
Jugendbücher der Autorin, die in der ehemaligen DDR zu
großer Bekanntheit gelangten. „Klartexte“ allerdings sei
eine Art der direkten Auseinandersetzung mit der
jüngeren Vergangenheit und mache die politischen
Positionen der Autorin sichtbar, bemerkte er.
Persönliches stand am Anfang von Gisela Karaus Beitrag.
Sie wurde 1932 in Berlin geboren. Nach dem Abitur im
Jahr 1950 absolvierte die junge Frau eine Ausbildung zur
Redakteurin bei der Berliner Zeitung und war dort viele
Jahre als Kolumnistin tätig. In den 1960er Jahren begann
sie Kinderbücher zu verfassen. „Der gute Stern des
Janusz K.“ vom Schicksal polnischer Kinder im
Konzentrationslager Buchenwald und „Loni“, die
Geschichte eines Mädchens in Berlin während der Jahre
nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden populär. Drehbücher
zu Kinder- und Jugendfilmen wie „Mein blauer Vogel
fliegt“ gehören genauso zu ihrem Schaffen wie Romane für
Erwachsene.
In Haßfurt redete und las die Ur-Berlinerin mit
darstellerischer Begabung. Sie erzählte den
interessierten Zuhörern Geschichte in Geschichten.
Unumwunden bezeichnete sie sich selbst als Kommunistin
und schob hinterher, dass es „Kommunismus auf diesem
Planeten noch nicht gegeben hat“. Sie sprach von
Erfahrungen in der DDR, ihrem Wirken im
Schriftstellerverband und Eindrücken nach der
Grenzöffnung. Es war die Rede von der Sehnsucht nach
Idealen, nach Verbesserung von Weltzuständen. „Mit jeder
Generation wächst dieser Wunsch neu“, sagte sie. Obwohl
ihr Gedächtnis mittlerweile Lücken aufweise, erinnere
sie sich daran, was sie im Krieg erfahren habe. Wissen
sei ihr im Laufe des Lebens zum Bewusstsein geworden.
Zu ihrer schriftstellerischen Arbeit merkte sie witzig
an, dass Schreiben ein Beruf sei, der es Menschen
ermögliche, seelische Spannungen „ohne Psychiater selbst
zu therapieren“. Gisela Karau agierte schlagfertig und
scharfsinnig. Sie nahm kein Blatt vor den Mund.
Geradeaus forderte sie gerade Linke dazu auf,
Verlockungen wie dem Machtrausch zu widerstehen. Sie
warnte Politiker vor „Rückgradverkrümmung und
Gedächtnisschwund“.
In einer kritischen Diskussion kommentierte die Autorin
schließlich sehr gewandt rund eine Stunde lang die
Fragen Bemerkungen aus dem Publikum. Die Gäste nutzten
die Gelegenheit, Bücher signieren zu lassen. Auf ihrer
Lesereise durch Franken macht Gisela Karau in den
kommenden Tagen noch in Coburg Station. Dort bespricht
sie mit Jugendlichen ihr Werk „Der gute Stern des Janusz
K.“
Quelle: nah
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