|
DGB-Jugend verurteilt
Jugendarbeitslosigkeit
Einmütig war das Urteil der
Schweinfurter Gewerkschaftsjugend zur rasant steigenden
Arbeitslosigkeit junger Arbeitnehmer unter 25 Jahren.
Auf ihrer DGB-Jugendkonferenz am Donnerstag (26.
November 2009) im Schweinfurter Gewerkschaftshaus
diskutierte sie engagiert die Lebens- und
Arbeitssituation junger Arbeitnehmer nach dem ersten
Krisenjahr.
DGB-Jugendsekretärin Ulrike Eifler eröffnete die
Konferenz und umriss die Situation. „Ungleiche
Bildungschancen, Studiengebühren, fehlende
Ausbildungsplätze, steigende Jugendarbeitslosigkeit und
prekäre Beschäftigung sind die Eckpfeiler, die die
Entwicklungschancen junger Menschen markieren“.
Insbesondere die steigende Arbeitslosigkeit junger
Arbeitnehmer unter 25 Jahren sei zu beobachten und
stelle die Gewerkschaften vor zentrale Aufgaben. „Wenn
die Jugendarbeitslosigkeit in Schweinfurt und Umgebung
um 42 Prozent steigt, müssen wir uns als größter
politischer Jugendverband dazu verhalten“, forderte
Eifler.
In ihrem Einleitungsbeitrag wies sie zudem darauf hin,
dass die Jugendarbeitslosigkeit vor allem mit den
politischen Entscheidungen der letzten Jahre
zusammenhänge. Die Ausweitung von Leiharbeit und
befristeten Verträgen sei durch parlamentarische
Entscheidungen der letzten Bundesregierungen zustande
gekommen. Diese Politik richtete sich gegen die
Arbeitnehmer und trifft jetzt vor allem junge
Arbeitnehmer. „Deshalb muss Arbeit wieder sicher
werden!“, forderte Eifler. „Dann wird auch die
Jugendarbeitslosigkeit wieder sinken“.
Ähnlich sahen es auch ihre drei Mitstreiter, die vom
Podium aus das Thema der Konferenz „Jugend in der
Krise?“ aus sehr unterschiedlichen Perspektiven
diskutierten. Der bayrische Landesjugendsekretär des
DGB, Mario Patuzzi, erklärte den Zusammenhang zwischen
Ausbildungssituation und Jugendarbeitslosigkeit. „Nach
unseren Berechnungen haben gerademal 56 Prozent aller
Bewerber 2009 einen Ausbildungsplatz gefunden“. Der Rest
hänge in so genannten Warteschleifen. „Die hohe
Jugendarbeitslosigkeit hat auch etwas mit den
Warteschleifenkarrieren der letzten Jahre zu tun“,
erklärte Patuzzi.
Für Claas Meyer von der GEW-Hochschulgruppe und
Bildungsstreikaktivist an der Uni Würzburg spielt dabei
die Bildungsfrage eine zentrale Rolle. Schließlich
verlasse jeder zehnte Schulabgänger die Schule ohne
Schulabschluss. „In keinem anderen Land hängen soziale
Herkunft und Bildungsweg so eng miteinander zusammen wie
in Deutschland“. Deshalb müsse Bildung zunehmend
gesellschaftlich organisiert werden.
Auch Ali Al Dailami umriss den Zusammenhang zwischen
Herkunft und Bildungsweg. Als migrationspolitischer
Sprecher der Partei DIE LINKE konzentrierte er sich
allerdings vor allem auf die Situation der Migranten.
Die steigende Arbeitslosigkeit treffe nicht nur junge
Arbeitnehmer, sondern vor allem junge Arbeitnehmer mit
Migrationshintergrund. „Von allen
Ausbildungsplatzbewerbern mit Migrationshintergrund
haben nur 25 Prozent einen Ausbildungsplatz bekommen“,
so Al Dailami. Außerdem hätten 32 Prozent aller
Migranten unter 25 Jahren keine Arbeit und 65 Prozent
seien im Niedriglohnsektor beschäftigt. „Wer
Gleichberechtigung will, der muss gleiche Chancen
schaffen“.
Zu Beginn der Konferenz hatten zwei Schüler vom
Celtis-Gymansium ein kurzes Grußwort gesprochen und auf
die Schülerdemonstration am Freitag (27. November 2009)
für mehr Bildungsgerechtigkeit hingewiesen. Sie
erhielten breite Unterstützung durch die
Konferenzteilnehmer.
Auch DGB-Regionschef Frank Firsching begrüßte die
Schülerproteste und machte deutlich, dass man in dieser
Zeit, Schulter an Schulter stehen müsse und gemeinsam
für eine bessere Bildung und bessere
Zukunftsperspektiven junger Menschen eintreten müsse.
„Es bewegt sich nur etwas, wenn wir uns bewegen“, so
Firsching.
Quelle: ule
zurück
|