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Pfingstkongress des Coburger Convent
2010
Jedes Jahr zu Pfingsten
trifft sich der Coburger Convent (CC), als Dachverband
von über 100 Landsmannschaften und Turnerschaften, zum
Pfingstkongress im Nordbayrischen Coburg. Einige Tausend
Burschis werden auch dieses Jahr vom 21. bis 25. Mai
nach Coburg kommen, um die deutschen Soldaten der beiden
Weltkriege zu ehren, in einem Fackelzug durch die
Innenstadt zu laufen und zu saufen. Diese Woche hat die
Mobilisierungskampagne gegen die Untriebe des CC und zu
den Gegenveranstaltungen begonnen. An vielen
Universitäten in Österreich und Deutschland gibt es
Studentenverbindungen. Unter den Begriff
Studentenverbindungen fallen u.a. Landsmannschaften und
Turnerschaften. Die meisten letzterer sind im
Dachverband Coburger Convent zusammengeschlossen.
Im Coburger Convent sind ca. 100 Landsmannschaften und
Turnerschaften ausschließlich sog. klassischen Typs –
d.h. farbentragend und pflichtschlagend – vereinigt.
Nach außen geben sie sich meist unpolitisch,
selbstverständlich tolerant und gegen jede Art von
Extremismus. Man stellt sich gerne als lebendige
Gemeinschaft von Studenten und Akademikern dar, deren
Zweck nur in der Pflege von Freundschaft, dem
Erfahrungsaustausch und der gemeinsamen Bildung besteht.
Tatsächlich verbirgt sich hinter der weltoffenen und
fortschrittlichen Fassade ein gut organisiertes System
aus Seilschaften, welches dem einzelnen Mitglied
wirtschaftliche und soziale Vorteile verschaffen und als
homogene Einheit gesellschaftlichen Einfluss ausüben
soll. Dieser Einfluss ist ganz und gar nicht
unpolitischer, sondern vielmehr rechtskonservativer bis
reaktionärer Natur. Im Mittelpunkt der Bemühungen steht
die Aufrechterhaltung einer nationalen Elite, welche
durch Corpsgeist und damit einem Anti-Individualismus à
la „Die Verbindung ist alles – du bist nichts“ bereits
über Generationen hinweg besteht. „In unsicheren Zeiten
bewähren sich gute Verbindungen“ als zeitloser
Werbeslogan steht nicht erst seit der aktuellen
Wirtschaftskrise symbolisch für den Kampf der Elite
gegen den sozialen und demokratischen Fortschritt. Nicht
umsonst sahen sich die meisten Studentenverbindungen am
Ziel ihres Strebens – und somit für überflüssig – als
das 3. Reich das Problem des Bestehens einer Linken aus
der Welt schuf. Sie lösten sich beinahe widerspruchslos
auf. So finden sich unter den „Alte Herren“ genannten
Ex-Aktiven dann auch Namen wie Günther Oettinger, der
den Nazirichter Filbinger posthum zum Antifaschisten
verklärt hat oder Fritz Hippler, der sich sowohl für den
NS-Propagandafilm „Der ewige Jude“, als auch für das
revisionistische Buch „Korrekturen“ verantwortlich
zeichnet, welches im CC auch begeistert gelesen wird.
Eine Distanzierung des Coburger Convent von der
deutschen und eigenen Vergangenheit ist zu keinem
Zeitpunkt erfolgt. Bei der Revision der Geschichte
dagegen ist man bemüht sich gegenseitig zu übertreffen.
Der jährlich in Coburg stattfindende Pfingstkongress ist
das zentrale Ereignis und verbindende Element der
Aktivitäten des Dachverbandes. Für ein Wochenende lässt
er die Coburger Innenstadt zu einem Pflaster für längst
– zumindest öffentlich – verbannt geglaubte Ansichten
wie Rassismus, Sexismus, Homophobie, Chauvinismus etc.
werden. Besonderen und offiziellen Stellenwert hat
jedoch der bereits genannte Geschichtsrevisionismus. An
zahlreichen Orten kann man in Coburg rund um Pfingsten
so genannte Gedenkfeiern zu Ehren der in den Weltkriegen
gefallenen Soldaten beobachten. Dabei wird in
Neonazimanier die Schuld vor allem am 2. Weltkrieg unter
den Tisch gekehrt und den deutschen Soldaten in
Stalingrad und anderswo – so genannten Opfern der
Hitler-Diktatur – hinterher getrauert. Im nächsten Satz
folgt meist – diesmal in CDU/CSU-Manier – die Klage um
den Stasiterror und das Studentenverbindungs-Verbot in
der DDR. Seinen Gipfel findet der Kongress in einer
nächtlichen Parade uniformierter Fahnenträger im Schein
hunderter Fackeln und begleitet von Marschmusik. Zu
deren Abschluss am Coburger Marktplatz hält dann noch
die präsidierende Verbindung eine Ansprache und stimmt
zusammen mit Bürgern und Convent das – oft komplette –
Deutschlandlied an. Spätestens hier unter dem Eindruck
der Szenerie von nationalem Bürgertum, begeisterten
Neonazis und aggressiver Schutzpolizei erinnert man sich
mit Gänsehaut – ohne hier einzelnen Personen zu nahe
treten zu wollen – warum man sich selbst als
AntifaschistIn bezeichnen will.
Auch wir sind dieses Jahr wieder mit Protestaktionen
dabei. Es wird eine Demo und diverse Kundgebungen geben.
Außerdem soll sich auch sonst einiges tun. Konzerte,
Infoveranstaltungen und überhaupt eine Menge an Programm
sind in der Mache. Der Widerstand ist gut aufgestellt
für einen breiten Protest und freut sich darauf, dem CC
zu zeigen was ’ne linke ist! Und wir freuen uns auf
euch, wenn es wieder soweit ist. Zu Pfingsten gilt:
Heraus gegen den Coburger Convent!
Quelle: cc
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