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Heißer Herbst in Rhön Grabfeld?

 

Im Rahmen einer IG Metall-Vertrauensleutesitzung der Siemens AG Bad Neustadt informierte Gewerkschaftssekretär Matthias Gebhardt von der IG Metall Schweinfurt über die geplanten Frontalangriffe auf Arbeitnehmerrechte durch eine mögliche Schwarz/Gelbe-Bundesregierung. „Die angekündigten Pläne werden dazu führen, dass Tarifauseinandersetzungen künftig in jedem einzelnen Betrieb und nicht mehr auf Flächenniveau geführt werden. Dem sogenannten Häuserkampf würde Tür und Tor geöffnet“, so der Gewerkschafter. Vor allem der Abbau des Kündigungsschutzrechts und der Angriff auf den gesetzlichen Tarifvertragsvorbehalt standen im Vordergrund der Information und der Diskussion. Bei einem Wahlsieg von Schwarz/Gelb ist davon auszugehen, dass die Angriffe auf die Arbeitnehmerrechte wie z.B. „die betrieblichen Beschäftigungsbündnisse“, durch die Änderung des BetrVG und des „Günstigkeitsprinzips“ Wirklichkeit werden sollen. Union und FDP wollen Abweichungen vom Tarifvertrag ermöglichen, wenn Betriebsrat und zwei Drittel der Belegschaft zustimmen. „Mit diesen Maßnahmen werden Beschäftigte und Betriebsräte zu Spielbällen des Unternehmens gemacht und Erpressungen ausgesetzt. Betriebsrat und Beschäftigte werden dann mit der alternativlosen Frage, Arbeitsplatzverlust oder 10 - 20 % weniger Lohn konfrontiert“ so Gebhardt.

 

Das Grundgesetzlich garantierte Recht, für Arbeitsbedingungen und Entlohnung zu Streiken, soll so entwertet werden. Der Tarifvertrag würde dann seine verbindliche Garantiefunktion verlieren. So werden Lohnsenkungen und Arbeitszeitverlängerungen noch leichter durchsetzbar. Zwar würden somit Tarifkämpfe auf die betriebliche Ebene verlagert, ein Streikrecht erhielten die Betriebsräte allerdings nicht. Sollte der Gesetzgeber den Arbeitgebern diese Möglichkeit eröffnen, ist für die Gewerkschafter nur schwer vorstellbar, dass ausgerechnet Siemens eine solche Option nicht nutzen würde. Aufgrund dieser möglichen Konstellation haben sich die IG Metall Betriebsräte und Vertrauensleute bei Siemens in Bad Neustadt und die IG Metall Schweinfurt zu dem Schritt entschlossen, eine betriebliche Tarifkommission zu wählen. Damit sollen tendenziell mögliche Angriffe auf Entlohnung und Arbeitszeit der Siemens AG abgewehrt werden.

 

Wenn auch momentan am Standort Bad Neustadt ein vernünftiger Umgangston, der Wille zu gemeinsamen Problemlösungen und gegenseitiger Respekt zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat herrsche, könne man nie wissen, welche Order von der Konzernzentrale vom Wittelsbacher Platz aus München oder aus Erlangen zu erwarten sei. Die Position der IG Metall Vertrauensleute bei Siemens und der IG Metall insgesamt besteht vielmehr darin, die Arbeitnehmerrechte und die Tarifautonomie zu stärken sowie Demokratie in Betrieb und Gesellschaft weiter zu entwickeln. Die IG Metall wird gegen diese grundlegenden Angriffe aus dem Unions- und Wirtschaftsliberalen Lager mobilisieren. Die IG Metall steht für die Abwehr der Angriffe auf die Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte, die Stärkung der Tarifautonomie, die Sicherung und den Ausbau der Mitbestimmung im Betrieb und Unternehmen, gesetzliche Mindestlöhne auf Basis von Tarifverträgen sowie die europäische Absicherung der paritätischen Mitbestimmung. Der Vertrauenskörperleiter von Siemens Bad Neustadt, Werner Schmitt, fordert ein „Ende der Erpressbarkeit von Belegschaften. In unserer Region mahnen Beispiele wie Rene Lezard in Mellrichstadt, Takata-Petri in Bad Kissingen und unsere Kollegen von Siemens VDO in Würzburg. In diesen Fällen wurde vor unterschiedlichem Hintergrund den Belegschaften jeweils die Pistole auf die Brust gesetzt, um Verlagerungen, Lohnverzicht und Absenkungen von tariflichen Standards durchzusetzen“.  Abschließend kündigte Gebhardt, für den Fall der Umsetzung der schwarz/gelben Regierungspläne, auch für die Metallbetriebe der Region Rhön-Grabfeld einen heißen Herbst durch Aktionen der IG Metall an. 

 

Quelle: IG-Metall, Schweinfurt. Matthias Gebhardt

 

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