Nachrichten aus Hassfurt

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Die Strippenzieher

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Die Strippenzieher, von denen Cerstin Gammelin und Götz Hamann in ihrer ebenso lehrreichen, wie unterhaltsamen Abhandlung gleichen Titels berichten, finden in Lehrbüchern über das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland meist nur am Rande Erwähnung. Ihre Mitwirkung an den politischen Entscheidungsprozessen ist formal in ihrem tatsächlichen Umfang so auch nirgends vorgesehen, schließlich fehlt es einer solchen auch an der entsprechenden demokratischen Legitimation. Trotzdem reicht ihr Einfluss bisweilen immerhin bis zur Formulierung ganzer Gesetzentwürfe. Dies war zwar zu den Zeiten, als das rheinisch-verschlafene Bonn noch als Hauptstadt der Republik fungierte, nicht anders, doch ist, so lernen wir aus der Lektüre, der unvermeidbare Einfluss professioneller Lobbyisten und Public-Affairs-Berater seit dem Berlin-Umzug von Parlament und Regierung noch erheblich größer geworden -- was selbstredend auch für die Medienmacher gilt, die über das kostbarste Gut in der Mediendemokratie verfügen: den Schlüssel zur öffentlichen Wahrnehmung.
Die Autoren haben keinen Enthüllungsroman geschrieben, und ihr Ton ist auch nicht der naiver Entrüstung. Ohne die Legitimationsproblematik im Geringsten zu verharmlosen, zeichnen sie vielmehr einen aufschlussreichen politischen Stadtplan Berlins, der aufzeigt, wie und wo die tatsächlichen Einflusskanäle rund um den Bundestag verlaufen und wie man Interessen in dieses insgesamt schlichte, jedoch im Detail zugleich recht subtile System einspeist. Sie verstehen ihr Buch nicht zuletzt als eine "Blaupause für alle, die in Berlin die Politik der Bundesregierung mitgestalten wollen. Egal, ob sie rotgrün, schwarzrot oder schwarzgelb ist. Wer die Konzerne beobachtet, der weiß, was man dazu braucht. Und was es kostet." Lesenswert!

 

Rote
Frauen werden
immer schöner

Rote Frauen werden immer schöner

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Paris im Mai 1968: Arbeiter, Studenten und Schüler gehen auf die Straße, um gegen die Regierung De Gaulle zu protestieren, gegen die unheimliche Kontinuität rechter Politik, die Frankreich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bestimmt. Mittendrin ist der 20-jährige Freddy, der die Schule abbrechen musste, um zusammen mit seinem Vater die Familie zu ernähren. Seine Vorstellung von gesellschaftlichen Veränderungen geht weit über die der theorieverliebten Studenten hinaus, die sich in marxistischen Splittergrüppchen verzetteln und darüber das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren: die Revolution, einen grundlegenden Umsturz der sozialen Verhältnisse. Allzu bald muss Freddy jedoch einsehen, dass die Entscheidungen nicht auf der Straße gefällt werden, sondern in Verhandlungen mit den so genannten Staatsvertretern. Und die werden von kompromissbereiten Karrierepolitikern und Gewerkschaftern geführt, von denen sich keiner um die Interessen der kleinen Leute schert. Während um ihn herum alles wieder zum schlimmen Alltag übergeht, gerät Freddy in eine tödliche Intrige hinein: Gemeinsam mit seinem besten Freund wird er Zeuge der illegalen Aktion eines Kommissars. Sie müssen damit rechnen, dass ihnen ein Mord in die Schuhe geschoben werden soll und stehen nun vor der Entscheidung, Paris so schnell wie möglich zu verlassen. Und da lernt Freddy die Liebe seines Lebens kennen.

 

Im Zeichen
der roten
Nelke

Im Zeichen der roten Nelke

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Ein Saal voller „kleiner Leute" in einer kleinen Stadt. Erwartungsvoll sind die Blicke auf Vera Hemm gerichtet: sie liest aus „Im Zeichen der roten Nelke", der Biographie von Mutter und Tochter Hemm. Das ist auch ihre Geschichte. 80 Jahre Konstanzer Leben ziehen vorbei: Weltwirtschaftskrise, Faschismus, Krieg, Wiederaufbau, kalter Krieg, 1968, Frauen- und Friedensbewegung. Vera und ihre Mutter Johanna mischten sich ein und gestalteten mit. Vera Hemm will mit ihrem Buch zeigen, dass auch die so genannten „kleinen Leute" etwas bewegt haben. Sie will Mut machen, das eigene Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, wobei sie sich besonders an die Frauen wendet.
Johanna Hemm (1901 - 1971) war Näherin, Betriebsrätin, hauptamtliche Gewerkschaftssekretärin und kommunistische Stadträtin, die darum kämpfte, die harten Lebensbedingungen ihrer MitbürgerInnen zu verbessern. Als Kommunistin eckte sie zwar in der katholischen Kleinstadt und auch in ihrer Gewerkschaft immer wieder an. Im Grunde war sie aber wegen ihrer integren Persönlichkeit doch überall anerkannt: So heißt es immer wieder: „Sie ist schon in Ordnung, schade, dass sie Kommunistin ist".
Tochter Vera (geb. 1935) tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter. Nach dem Abitur wird sie Chemielaborantin, aktive Gewerkschafterin, Betriebsrätin, Kommunistin. Sie wird über die erste Frauenliste in den Betriebsrat gewählt, ist Gründungsmitglied von Pro Familia, unterstützt die Einrichtung eines Frauenhauses. Als Mitglied der gewerkschaftlichen Frauenkulturgruppe „Menschen zufällig weiblich" schreibt sie Texte und spielt viele verschiedene Rollen. In „Deutschlands letztem Zipfele" ist Vera Hemm eine emanzipierte Frau, die auch privat selbstbestimmt lebt.
Diese Buch verbindet persönliche Geschichte mit Zeitgeschichte. Man erlebt, wie die großen politischen Ereignisse in der kleinen Stadt am „Rande der Geschichte" auswirken. Bodenständig, mit zupackendem Humor, aber auch mit gründlicher Recherche lässt Vera Hemm Konstanzer Alltagsgeschichte lebendig werden. Ein Buch für „kleine Leute", Gewerkschafter, Konstanzer, Historiker, Frauen - kurz für Menschen, die sich interessieren und engagieren.

 

Macht
ohne Moral

Macht ohne Moral

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Eine Neue Weltordnung mit Frieden, Demokratie und allgemeinem Wohlstand verkündeten die westlichen Sieger nach dem Untergang des Realsozialismus. Was daraus geworden und in welche Sackgasse die Menschheit stattdessen geraten ist, läßt sich Tag für Tag den Nachrichten entnehmen. Die historischen und aktuellen Hintergründe dieser verfahrenen Situation aufzudecken und ihren politischen, wirtschaftlichen, sozialpsychologischen und moralischen Ursachen auf die Spur zu kommen, unternimmt Heleno Sa a mit seinem neuen Buch. Es rechnet schonungslos mit der bestehenden Weltordnung und ihren Mächtigen ab. Sein Fazit: Vom herrschenden kapitalistischen System ist kein Beitrag zur Befreiung von materieller Not, Entfremdung, sozialer Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg zu erwarten, dieses System ist selbst das Problem. Die überfällige Umkehr ist nur mit einem neuen Lebens-, Gesellschafts- und Zivilisationsmodell möglich. 

 

 

 

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